Phil Spector starb jetzt in einem kalifornischen Gefängniskrankenhaus an den Folgen von Covid-19. Foto: AP Photo/Nick Ut

„Ich habe Teufel in mir, die gegen mich kämpfen und ich bin mein größter Feind.“ In seinem letzten Interview, bevor er 2009 wegen Totschlags in den Knast ging, fasste Phil Spector sein Leben selbstkritisch zusammen. Es sollte das letzte Interview in Freiheit sein, das er je geben wurde. Denn aus der 19-jährigen Haftstrafe wurde eine Todesstrafe. Der legendäre Musikproduzent starb jetzt in einem kalifornischen Gefängniskrankenhaus an den Folgen von Covid-19.

Der 1939 in New York geborene Spector hatte Anfang der 60er-Jahre nach dem Vorbild von Wagner eine eigene Musikmischtechnik entwickelt. Für den sogenannten „Wall of Sound“ vermischte er mehrstimmigen starken Chor-Gesang mit grandioser Orchesteruntermalung und schuf so Hitsongs wie „Be My Baby“ oder „Da Doo Ron Ron“. Der geniale wie exzentrische Spector arbeitete unter anderem mit den Beatles (er produzierte das „Let It Be“-Album), Leonard Cohen oder auch den Ramones zusammen und stieg zu einer Legende in der Musikwelt auf. Er hatte sogar einen legendären Hollywoodfilm-Kurzauftritt: Im Kultfilm „Easy Rider“ spielte er einen Drogendealer.

Trotz aller Erfolge – er wurde von John Lennon zum „großartigsten Plattenproduzenten aller Zeiten“ geadelt – litt er an schweren Depressionen, die er mit Alkohol und Drogen zu betäuben versuchte. Sein aufbrausendes Temperament war unter Leuten aus seinem privaten und beruflichen Umfeld berüchtigt. Jahrzehntelang hielten sich Gerüchte, dass Spector wutentbrannt mit einer Waffe im Tonstudio auf Künstler gezielt und Frauen Gewalt angedroht hatte.

Polizei-Foto von Spector, das im November 2019 von der kalifornischen Jutizbehörde herausgegeben wurde. Foto: California Department of Corrections

Im Februar 2003 traf er im „House of Blues“ die Schauspielerin Lana Clarkson, die in dem Low Budget-Streifen „Barbarian Queen“ mitgewirkt hatte. Die arbeitete dort als Hostess für VIP-Gäste. Er überredete die schöne Blondine, ihn mit in seine Villa im Los Angeles-Vorort Alhambra zu begleiten. Am nächsten Morgen kam Spector blutverschmiert aus dem Haus und sagte zu seinem Chauffeur: „Ich glaube, ich habe jemanden umgebracht.“ Der Angestellte alarmierte die Polizei. In der Villa fanden die Cops die tote Clarkson, die durch einen Revolverschuss in den Mund gestorben war. Spector bestand darauf, dass die 40-Jährige einen „Selbstmord aus Versehen“ begangen hatte.

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Die Staatsanwaltschaft machte ihm 2007 einen Prozess wegen Mordes. Der endete ohne Ergebnis, weil sich die Geschworenen beim Schuldspruch nicht einigen konnten. Bei einem zweiten Prozess zwei Jahre später befand die Jury diesmal einstimmig Spector wegen Totschlags für schuldig. Im Mai 2009 trat der Musikproduzent seine Gefängnisstrafe in der Justizanstalt Corcoran an.

Anfang Januar wurde Spector wegen einer schweren Covid-19-Erkrankung ins San Joaquin General Hospital verlegt. Dort erholte er sich wieder und wurde laut eines Insiders bei TMZ in seine Zelle zurückgebracht: „Er hat kurz darauf einen Rückfall erlitten und wurde mit schweren Atemproblemen wieder ins Krankenhaus gebracht.“ Dort starb der 81-Jährige laut Justizbehörden am Sonnabend – ohne Reue zu zeigen. Bis zuletzt bestand er darauf, dass sich Clarkson selbst umgebracht hatte.