71 Kilometer legte Volker Weinreich für den pinkelnden Hund zurück, das GPS-Bild seiner Tour ist wirklich beeindruckend. privat

Der Lockdown fördert mitunter echt ungewöhnliche Hobbys der Deutschen zutage. Klopapier zu horten ist nur eins davon. Viele werden plötzlich kreativ. Aber in Braunschweig lebt ein Mann, der treibt die Kuriosität auf ein neues Level. Er zeichnet pinkelnde Hunde und den Weihnachtsmann – mit seinem Fahrrad und auf Stadtpläne. GPS-Drawing nennt sich das und ist definitiv ein Trend zum Nachahmen.

Auf seiner Website nimmt Volker Weinreich seine Fans seit einem guten halben Jahr virtuell mit auf seine ungewöhnlichen Touren. Und er verrät auch, wie er das macht. Denn abgesehen davon, dass der 62-Jährige für seine außergewöhnliche Kunst richtig, richtig viele Kilometer mit dem E-Bike fährt, ist es auch gar nicht so leicht, die Strecken so exakt zu planen, dass man das Bild hinterher auch wirklich erkennen kann.

47 Kilometer, Treppen, Um- und Fußwege später ist das Eichhörnchen in den Stadtplan gezeichnet. privat

Der Profi erklärt: So geht GPS-Drawing

Schritt eins: „Auf einer Wander- oder Radfahrerkarte wird die gewünschte Form gesucht und eingezeichnet. Sie muss in einem Zug zu zeichnen sein – notfalls auf einer Linie hin und zurück“, erklärt Volker Weinreich. Danach gibt er Start und Ziel in ein Navi ein, mit vielen, vielen Zwischenzielen. Damit lässt er sich auf seinen Touren navigieren. Der GPS-Tracker im Smartphone zeichnet dabei die tatsächlich gefahrene Route auf. Diese Spur wird auf der Landkarte angezeigt. Jetzt noch einen Screenshot machen – und der Aha-Effekt ist gewiss.

Der Osterhase brauchte nur 30 Kilometer. Aber: Die Tour geht über mehrere Fußwege und entgegengesetzt durch eine Einbahnstraße. Deshalb wird das Rad auch mal geschoben. privat

Und noch einen Trick hat der Braunschweiger parat: „Pausiert man den GPS-Tracker unterwegs, werden Anfang und Ende der Pause durch eine gerade Linie verbunden, auch querfeldein.“

GPS-Drawing erfordert viel Flexibilität

Damit seine Kunstwerke am Ende auch richtig gut aussehen, nimmt Volker Weinreich einige Hürden in Kauf. Denn längst nicht immer sind alle Wege auf seinen Strecken fahrradtauglich. „Ich nutze dann auch Fußwege oder Einbahnstraßen verkehrt herum oder ich benutze Fußgängerzonen und muss dann eben schieben“, sagt er. Manchmal muss er durch Tunnel, manchmal auch Höhenmeter über Treppen überwinden.

54 Kilometer war Volker Weinreich für den Weihnachtsmann Mitte Dezember unterwegs. privat

Bis zu 70 Kilometer fährt er an einem Tag, mit seinem E-Bike braucht er für sechs Kilometer gerade einmal 30 Minuten. Aber es geht natürlich auch anfängerfreundlicher – nicht alle Touren sind so lang.

Übrigens: Wer jetzt Blut geleckt hat, aber sich nicht zutraut, eine eigene Route zu erstellen, kann die Kunstwerke von Volker Weinreich nachfahren. Sie sind auf Komoot.de hinterlegt. Dort kann man sich registrieren und via Download ganz entspannt über die App den Weg mit einem GPS-fähigen Gerät (z. B. Handy) abfahren. Dann nur noch Bild abspeichern – zack – und Sie sorgen ganz sicher für einen richtigen Hingucker beim Besuch Ihrer Freunde.