Künstliche Intelligenz ist im Kommen. (Symbolbild)
Künstliche Intelligenz ist im Kommen. (Symbolbild) Sebastian Gollnow/dpa

Werden wir vor Gericht bald von Computern verteidigt oder verurteilt? Klingt völlig unvorstellbar, aber wer weiß schon, wie es mit der Entwicklung von sogenannter Künstlicher Intelligenz (KI) in den kommenden Jahren weitergeht. Ein Anfang zum Computer-Rechtsanwalt scheint jedenfalls gemacht, wenn man sich anschaut, was manche KI-Software heute schon drauf hat.

An der Universität von Minnesota hat die zurzeit immer populärer werdende KI-Software ChatGPT eine Juraprüfung bestanden. In einem Forschungspapier des Juraprofessors Jonathan Choi vom Montag beschreiben der Professor Choi und Kollegen, dass das auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Software bei Aufgaben in den Bereichen Verfassungsrecht, Deliktrecht und Steuerrecht insgesamt eine Note erreicht habe, die der deutschen 3+ entspricht. Da wird so mancher „normale“ Student aber richtig Neidgefühle bekommen.

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ChatGPT bekam von Choi denselben Test wie die menschlichen Kommilitonen. Er bestand demnach aus 95 Fragen mit einer vorgegebenen Auswahl an Antworten sowie zwölf Aufsatzaufgaben.

ChatGPT: Clever beim Zitieren, aber keine Ahnung beim Rechnen

„Beim Schreiben von Aufsätzen zeigte ChatGPT ein gutes Verständnis grundlegender rechtlicher Regularien und wies eine durchweg solide Organisation und Komposition auf“, schrieben die Autoren. Außerdem habe die KI akkurat zitiert. Doch der Bot „hatte oft Schwierigkeiten, Probleme bei offenen Aufgabenstellungen zu erkennen, eine Kernkompetenz bei juristischen Prüfungen“.

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Obwohl der Test blind benotet wurde, hatten laut Choi zwei von drei Prüfern eine Ahnung, welche Prüfungsantworten von ChatGPT stammten. Die Grammatik sei perfekt gewesen, die Ausführungen dagegen „etwas repetitiv“, schrieb Choi auf Twitter.

Als selbstständig agierender Student sei ChatGPT „nicht großartig“ gewesen, erklärte Choi, in mathematischen Aufgaben habe er sogar „versagt“. Allerdings gehe seine Forschungsgruppe davon aus, dass Sprachmodelle wie ChatGPT „in der Zusammenarbeit mit Menschen“ für Jurastudenten, die Prüfungen ablegen und für praktizierende Anwälte sehr nützlich sein könnten.

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Microsoft will Milliarden in ChatGPT der US-Firma OpenAI investieren

ChatGPT der US-Firma OpenAI generiert mithilfe von künstlicher Intelligenz Texte. Nutzer können dem sogenannten Sprachmodell einzelne Befehle oder Sätze vorgeben, die das System dann auf der Grundlage von Unmengen von Daten aus dem Internet eigenständig ergänzt.

Das auf Machine Learning basierende System reagiert ähnlich wie ein Chatbot auf Rückmeldungen der Nutzer. Es schreibt unter anderem Computercodes, Gedichte oder Gebrauchsanleitungen. In einigen Schulen in den USA ist die Nutzung der Software bereits untersagt.

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OpenAI wird von mehreren großen Technologie-Investoren wie Microsoft unterstützt. Am Montag kündigte Microsoft-Chef Satya Nadella eine langfristige „Multi-Milliarden-Dollar-Investition“ an, um den kommerziellen Durchbruch von OpenAI zu beschleunigen. In naher Zukunft soll ChatGPT kostenpflichtig werden.