Ein Intensivpfleger arbeitet auf einer Intensivstation. dpa/Sebastian Gollnow

In Deutschland wird darüber gestritten, ob der Impfstatus überhaupt vom Arbeitgeber abgefragt werden darf. Im Nachbarland Frankreich riskieren Ungeimpfte ihren Job, zunächst aber ihr Gehalt. Impfpflicht gegen Corona: Gibt es in Deutschland nicht, in Frankreich gibt es sie für bestimmte Berufsgruppen. Am Mittwoch ist dort der obligatorische Piks für Pflege- und Rettungskräfte in Kraft getreten.

In der Folge wurden umgehend 3000 Nicht-Geimpfte vom Dienst freigestellt. Mehrere Dutzend Mitarbeiter hätten zudem gekündigt, sagte Gesundheitsminister Olivier Véran am Donnerstag dem Sender RTL. „Viele wollen sich aber jetzt impfen lassen, da sie merken, dass die Impfpflicht tatsächlich besteht“, erklärte er. Einschränkungen für Patienten seien nicht zu befürchten.

Vertrag suspendiert, kein Gehalt

Insgesamt seien 2,7 Millionen Menschen von der Impfpflicht betroffen, sagte Véran. Dazu zählen etwa das Personal von Krankenhäusern, Pflegeheimen und Feuerwehrleute. Sie müssen seit Mittwoch mindestens einmal und von Mitte Oktober an doppelt gegen das Coronavirus geimpft sein. Anderenfalls wird ihr Vertrag suspendiert, die Gehaltszahlung bleibt aus.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP könnten die Zahlen tatsächlich höher liegen als von Véran genannt. Allein in etwa 15 öffentlichen Krankenhäusern seien bereits 1500 Mitarbeiter vom Dienst freigestellt worden.

Impfquote in Frankreich besser als in Deutschland

Die derzeit Betroffenen seien vor allem im unterstützenden Service tätig, es gebe nur sehr wenig medizinisches Personal unter den Nicht-Geimpften, sagte der Minister. Mit Blick auf die Pandemie gebe es zudem gute Nachrichten. Die Situation habe sich wegen der massiven Impfungen und des Respekts der Abstandsregeln „deutlich verbessert“. Derzeit gebe es im Schnitt etwa 10.000 neue Fälle am Tag, 30 Prozent weniger als in der Vorwoche, sagte Véran. Auch die Zahl der Intensivpatienten sinke.

Derzeit sind deutlich mehr Franzosen als Deutsche gegen Corona geimpft: etwa 74 Prozent mindestens einmal geimpft, 70 Prozent haben zwei Dosen erhalten. In Deutschland sind nicht einmal 63 Prozent vollständig geimpft. Das Impftempo hat allerdings ebenso wie in Deutschland zuletzt erheblich nachgelassen. Derzeit erhalten nur knapp 63.000 Menschen täglich ihre erste Impfdosis, zu Spitzenzeiten waren es mehr als 400.000 am Tag.