Schlimmer Verdacht gegen Krankenschwester Lucy L. (30).  Foto: Facebook

Zum wiederholten Male ist im nordenglischen Chester am Dienstag eine Krankenschwester wegen der mutmaßlichen Tötung mehrerer Babys festgenommen worden. Die Frau stehe im Verdacht, auf der Säuglingsstation eines Krankenhauses acht Babys getötet und dies bei neun Babys versucht zu haben, teilte die Polizei mit. Bereits 2018 und 2019 sei die Frau zeitweise in Haft gewesen, aber wieder auf freien Fuß gelassen worden. Nun sei die Pflegerin in Untersuchungshaft und werde von der Polizei befragt.

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Nach Informationen der Zeitung „Daily Mail“ handelt es sich bei der Festgenommenen um  die 30-jährige Lucy L.  Sie soll als Kinderkrankenschwester auf mehreren Stationen der Klinik gearbeitet haben. Ihren Abschluss machte sie wohl 2011 an der University of Chester. Danach begann sie in der Neugeborenen-Abteilung. 

Ein Schild weist auf das Countess of Chester Hospital hin.
Foto: Peter Byrne/PA Wire/dpa

Die Polizei ermittelt in dem Fall bereits seit Mai 2017 in dem Fall, nachdem interne Untersuchungen über eine ungewöhnlich hohe Säuglingssterblichkeit im Countess of Chester Hospital beunruhigende Ergebnisse lieferten. So lag die Zahl der Todesfälle zwischen März 2015 und Juli 2016 zehn Prozent über dem Durchschnitt. Mediziner fanden heraus, dass einige Frühgeborene an Herz- und Lungenversagen gestorben waren, aber ungewöhnlicherweise nicht wiederbelebt werden konnten. Zudem wurden ungewöhnliche Flecken an Armen und Beinen festgestellt. Da die Todesursache nicht bestimmt werden konnte, wurde die Polizei eingeschaltet.

Die Ermittler konnten letztendlich 17 nicht natürliche Todesfälle von Säuglingen in diesem Zeitraum, sowie 16 Kreislaufzusammenbrüche, die nicht tödlich endeten, verzeichnen und bohrten tiefer. Die erste Festnahme in dem Fall erfolgte im Juli 2018: Es war Krankenschwester Lucy L. Freunde und Familie wollten damals nicht an eine Schuld der Kinderkrankenschwester glauben. L. sei zwar oftmals „unbeholfen“, aber „gutherzig“, zitiert die „Daily Mail“. Sie kam auf Kaution frei.

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Nach einer zweiten Festnahme im Juli 2019, bei der auch ihr Haus und das ihrer Eltern durchsucht worden war, setzten die Ermittler Lucy L. nun ein drittes Mal fest. Dass ihr nur acht vollendete und neun versuchte Baby-Morde und nicht mehr vorgeworfen werden, liegt wohl an der Beweisbarkeit. Bei ihren früheren Festnahmen wurde sie jeweils wegen weniger  „Trotz all der verstrichenen Zeit laufen diese herausfordernden Ermittlungen weiter“, sagte einer der Ermittler. Die betroffenen Familien würden über die Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten. 

Lucy L. soll im Gewahrsam mit der Polizei zusammen arbeiten, sagte Chef-Ermittler Paul Hughes der „Daily Mail“. Doch zu Inhalten schwieg er. Das Motiv und die Hintergründe könnten so bis zum Prozess ein Rätsel bleiben.