Polizisten am Tatort im Herzen von Amsterdam. Hier wurde auf Star-Reporter Peter R. de Vries geschossen. AFP/Evert Elzinga

Ein Mordanschlag auf den prominenten niederländischen Kriminalreporter Peter R. de Vries hat das Land zutiefst entsetzt. Nach der Festnahme von drei Verdächtigen hofft die Polizei auf eine schnelle Aufklärung der Tat. Ministerpräsident Mark Rutte sprach in der Nacht zum Mittwoch von einem „Anschlag auf den freien Journalismus.“

Der Reporter war beim Verlassen eines TV-Studios auf offener Straße niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt worden. Er sei mit einem Kopfschuss ins Krankenhaus gebracht worden, teilte die Polizei mit. „Peter R. de Vries kämpft um sein Leben“, sagte zutiefst bestürzt die Bürgermeisterin von Amsterdam, Femke Halsema.

In den Niederlanden ist Peter R. de Vries (64) der bekannteste Kriminalreporter.  AFP/Remko de Waal

Drei Verdächtige wurden zunächst festgenommen. Es gehe um einen 35-jährigen Mann mit polnischer Staatsangehörigkeit aus dem Ort Maurik im Südosten des Landes sowie einen 21-Jährigen aus Rotterdam, wie die Amsterdamer Polizei am Mittwoch mitteilte. Ein am Dienstagabend festgenommener Mann wurde freigelassen. Er habe nichts mit der Tat zu tun.

Aber über die Hintergründe der Tat wurde noch nichts mitgeteilt. Eine Sonderkommission wurde eingesetzt. Der Journalist ist zur Zeit Vertrauensperson des Kronzeugen in einem großen Prozess gegen das organisierte Verbrechen. Er ist auch international bekannt für seine Berichte über spektakuläre Verbrechen.

Königspaar Willem-Alexander und Máxima reagiert entsetzt

Geschockt gibt das niederländische Königspaar ein Berlin ein Statement zu der Tat ab, Willem-Alexander und Máxima sind derzeit auf Staatsbesuch in Deutschland. Imago

Aus Berlin reagierte das Königspaar „tief geschockt“. „Journalisten müssen ohne Bedrohung und frei ihre wichtige Arbeit tun können“, schreiben König Willem-Alexander und seine Frau Máxima auf Facebook. Das Paar stattet zur Zeit Deutschland einen Staatsbesuch ab.

Der Anschlag hat das Land geschockt, TV-Sender berichteten in Sondersendungen über die Tat. Premierminister Mark Rutte und Justizminister Ferd Grapperhaus waren mit der Anti-Terrorismusbehörde zusammengekommen. Politiker mehrerer Parteien und die Journalistengewerkschaft reagierten entsetzt.

Mit mehreren Schüssen wurde auf den Reporter gefeuert

Die Tat geschah gegen 19.30 Uhr. Ein Unbekannter feuerte nach Angaben von Augenzeugen mehrere Schüsse auf den Journalisten ab. Der hatte gerade beim Leidseplein im Zentrum von Amsterdam ein TV-Studio verlassen. Zeugen erkannten das Opfer. Auf Fotos und Videos in den sozialen Medien ist zu sehen, dass de Vries schwer verletzt am Boden lag.

De Vries ist der führende Kriminalreporter der Niederlande und tritt regelmäßig auch als Sprecher von Opfern oder Zeugen bei Prozessen auf. Regelmäßig ist er auch Gast bei TV-Talkshows. Zur Zeit ist er die Vertrauensperson des Kronzeugen in einem großen Prozess. 2019 war bereits der Anwalt des Kronzeugen und auch dessen Bruder erschossen worden.

International bekannt wurde der Reporter 1987 mit seinem Bestseller über die Entführung des Bierbrauers Freddy Heineken. 2008 gewannt er einen Emmy Award für seine Reportagen über den Fall von Natalee Holloway. Die Amerikanerin war 2005 auf Aruba verschwunden und vermutlich von einem Niederländer getötet worden.