Junglachse versuchen panikartig ein Becken zu verlassen. Schuld ist wohl Kokain! dpa

Es war ein großes Rätsel, dass seine Lachse einem Fischwirtschaftsmeister aus Kirchhundem-Albaum in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Juni aufgaben! Die Fische aus einem Artenschutz-Projekt schienen auf einmal fliehen zu wollen. Nun ist klar, was dahinter steckte: Kokain!

Analytiker fanden Koks im Zulauf des Lachsbeckens

Wie Analytiker des Landesumweltamtes NRW (Lanuv) nun berichten, konnten sie Kokain und ein Abbauprodukt von Kokain in einem der zulaufenden Bäche feststellen. Das erklärt das merkwürdige Verhalten, das vor einem Jahr festgestellt wurde. „Die Lachse versuchten panikartig aus dem Wasser zu springen“, sagte Daniel Fey, Fachbereichsleiter Fischereiökologie und Aquakultur, der dpa. Das Verhalten habe auf eine Kontamination des Zulaufwassers hingedeutet, der die Lachse intuitiv entgehen wollten. „Es war eine Reaktion auf ein Unwohlsein.“

Um dem Rätsel auf den Grund zu gehen, wurden also Wasserproben aus dem Zulaufwasser und dem Becken, in dem die Junglachse lebten, entnommen und mithilfe modernster Analysetechniken untersucht. Das Ergebnis: Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft und Arzneimittel aus Abwässern, alles in geringen Mengen. Zwei ebenfalls entdeckte Stoffe ließen die Fischexperten jedoch aufmerken: Kokain und sein Abbauprodukt Benzoylecgonin. Im Fischbecken selbst wurden die Stoffe jedoch nicht nachgewiesen, was allerdings an der hohen Verdünnung gelegen haben könnte.

Eindeutige Ursache für das Verhalten der Fische gibt es nicht!

„Eine eindeutige Ursache für das Verhalten der Fische ließ sich nicht finden. Allerdings kann auch eine Reaktion auf das im Bachwasser nachgewiesene Kokain nicht ausgeschlossen werden“, nun knapp ein Jahr später in seinem Jahresbericht unter der Überschrift „Lachse auf Koks“.

Doch woher könnte das Kokain gekommen sein? Lanuv-Mitarbeiter fanden wenig später am Bachlauf eine direkte, illegale Abwasser-Einleitung und meldeten dies den Behörden. Sogar die Polizei nahm sich der Sache an – ohne Erfolg. Es seien keine konkreten Anhaltspunkte dafür gefunden worden, dass die Einleitung aus einem bestimmten Bereich kam, sagte ein Polizeisprecher der Kreispolizei Olpe.

Und die Lachse? „Sie haben am nächsten Tag wieder arttypisches Verhalten gezeigt“, sagt Fey. Auch hätten die Tiere keine bleibenden Schäden davongetragen.