Dieses Selfie mit seiner Tochter Ronan postete Ash Patrick Schade auf Instagram. Instagram

Ash Patrick Schade ist ein glücklicher Vater: Er hält seine inzwischen einjährige Tochter im Arm, zeigt sich auf einem Selfie glücklich auf Instagram. Das Ungewöhnliche: Das Kind ist in Ashs eigenem Uterus gewachsen, er hat das Kind zur Welt gebracht – nach einer Odyssee, denn mehrere Ärzte wollten nicht die Verantwortung für seinen „Hochrisiko-Fall“ übernehmen, so Ash Patrick.

Trans Männer können schwanger werden und gesunde Kinder zur Welt bringen

Die Geschichte ging gut aus, es fanden sich Arzt und Hebamme, die kleine Ronan kam als gesundes Mädchen zur Welt.

Aber wie ist all dies möglich? Die Besonderheit am Fall Ash Patrick Schade ist, dass er mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen zur Welt kam. Er ist trans und hatte rund zwei Jahre vor der Geburt eine Hormontherapie begonnen, um sich körperlich dem männlichen Geschlecht anzugleichen: Ihm wuchsen Barthaare, die Körperbehaarung wurde dichter, die Stimmhöhe sank markant – vielen trans Männern sieht man es nicht an, dass sie einstmals als Mädchen aufwuchsen.

Die körperliche Transition von Frau zu Mann, eingeleitet durch das Geschlechtshormon Testosteron, verhindert aber zunächst nicht, dass trans Männer auch Kinder gebären können. Außer einem Testosteron-Gel nahm Ash Patrick Schade nach eigener Aussage einen Östrogen-Blocker ein. Ziel der Hormontherapie bei trans Männern ist, ein für Männer stimmiges Verhältnis aus Testosteron und Östrogen herzustellen: Männer haben mehr Testosteron als Frauen im Körper, produzieren aber auch geringe Mengen Östrogen. Bei entsprechender Dosierung ist es trans Männern jedenfalls für eine gewisse Zeit noch möglich, schwanger zu werden und gesunde Kinder zur Welt zu bringen.

Viele trans Personen lehnen riskante Operationen ab

Die Möglichkeit, auch nach Beginn einer Hormontherapie Eltern zu werden, können sich trans Personen bewusst vorbehalten. Bei trans Frauen, deren Testosteron-Produktion beispielsweise durch das Medikament Androcur geblockt wird, schwindet die Zeugungsfähigkeit allerdings normalerweise innerhalb eines Jahres. Nach einer geschlechtsangleichenden Operation ist die Elternschaft bei trans Frauen nur möglich, wenn vorher Spermien eingefroren wurden.

Wenn trans Männer den Wunsch haben, Kinder zu zeugen, spielt dies auch eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, welche körperlichen Eingriffe sie im Rahmen ihrer Transition über sich ergehen lassen: Keine trans Person muss nach deutschem Recht geschlechtsangleichende Operationen vornehmen lassen, um Namen und Geschlechtseintrag zu ändern.

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Die Entfernung von Eierstöcken und Uterus, ein Penoid-Aufbau: das ist für trans Männer möglich, aber viele lehnen derart invasive, teils riskante Maßnahmen ab oder schieben sie auf. Bei einem kleinen Bruchteil von trans Männern kommt etwas hinzu, was früher als Tabu galt: Vielleicht fühlen sie sich nicht wohl als Mann, entscheiden sich vielleicht nach einiger Zeit, doch wieder als Frau zu leben? Von Detransition sprechen Fachleute in dem Fall. Geschlechtsangleichende Operationen sind allerdings nur schwer wieder rückgängig zu machen. Sind die Geschlechtsorgane intakt, lässt sich das ursprüngliche Hormon-Gleichgewicht wiederherstellen. Und so könnte es durchaus passieren, dass ein trans Mann als Vater eines Kindes nach einer Detransition zur Mutter wird.