Ein Mann in Neu Delhi löscht seinen Durst mit Wasser. Die indische Hauptstadt befindet sich, wie viele andere Teile Südasiens, inmitten einer rekordverdächtigen Hitzewelle. AP/Manish Swarup

Die extremen Temperaturen sind in Indien und Pakistan dieses Jahr früher da als sonst. Und die Hitzewellen treten laut Experten infolge des Klimawandels weit häufiger auf als früher. Das bringt viele Probleme mit sich, vor allem für die ärmeren Menschen.

Seema Choudhary hat seit Tagen kaum geschlafen. Immer wieder fällt der Strom aus und dann wird es unerträglich heiß in dem kleinen Zimmer in Gurugram, einer Satellitenstadt von Delhi. Die 42-jährige Köchin lebt dort mit ihrer Familie. Ohne Strom funktionieren Ventilator und Verdampfungskühlung nicht.

Choudhary, ihr Mann und ihre drei Kinder gehen dann nach draußen. Eigentlich habe ihr Vermieter einen Diesel-Generator für solche Fälle. Aber er wolle ihn nicht stundenlang laufen lassen aus Angst, er könnte kaputtgehen – und wegen der hohen Treibstoffpreise.

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Extreme Hitze beeinträchtigt dieser Tage Hunderte Millionen Menschen in den dicht besiedelten Ländern Indien und Pakistan, wie die Weltorganisation für Meteorologie kürzlich warnte. Zwar sind in der Region Temperaturen um die 45 Grad keine Seltenheit. Aber normalerweise ist es nicht schon Ende April, Anfang Mai so heiß. Südasien sitzt prekär an vorderster Front der Klimakrise, schrieb die Weltbank kürzlich.

Ein Mann in Zentralindien schläft in seiner Rikscha. Hoffnung auf Kunden gibt es bei der Hitze kaum. AP/Rajesh Kumar Singh

Die Hitze lässt den Stromverbrauch in die Höhe schießen. Die Vorratslager für Kohle, von der Indien sehr abhängig ist, sind nicht prall gefüllt. Das führte zuletzt zu stundenlangen Stromausfällen.

Für Seema Choudhary ist auch die Wasserversorgung gerade ein Problem. Wie andere Familien nutzt sie eine Pumpe, um Grundwasser hochzuholen. Aber derzeit komme es kaum oder nur trüb. So müssten sie mehr Trinkwasser kaufen – auch zum Kochen. Teils hätten sie nun so wenig Wasser, dass die Köchin in fremden Häusern bade, wo sie arbeite.

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Seema Choudhary in ihrem Zuhause in einer Satellitenstadt von Delhi. Ständig fällt der Strom aus, ohne Pumpe hat sie kein Wasser im Haus, nachts kann sie wegen der Hitze nicht schlafen. dpa/Sunrita Sen

Ankit Sharma, der im schicken Cyber City IT-Hub mit vielen Hochhäusern mit Glasfassaden ebenfalls in Gurugram für eine Informatikfirma arbeitet, hat zwar genügend Wasser. Aber teils komme es am Nachmittag so heiß aus der Leitung, dass er sich die Hände daran verbrenne.

Die extreme Hitze in Indien tritt nach einer Analyse von Mariam Zachariah und Friederike Otto vom Imperial College London als Folge des Klimawandels häufiger auf als früher.

„Vor dem Anstieg der globalen Temperaturen hätten wir die Hitze, die Indien in diesem Monat erlebt hat, etwa einmal in 50 Jahren erlebt“, erläuterte Mariam Zachariah schon im April. „Jetzt kommt so ein Ereignis viel häufiger vor - etwa alle vier Jahre. Und solange der Ausstoß von Treibhausgasen nicht gestoppt wird, wird ein solches Ereignis noch häufiger auftreten.“

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Rikscha-Fahrern bleiben bei der Hitze die Kunden weg

Im Schatten an den Straßenrändern in Delhi sieht man geparkte Autorikschas, also motorisierte Rikschas. Drin schlafen deren Fahrer – scheinbar haben sie die Hoffnung aufgegeben, in der Hitze noch Kunden zu finden. Einige rufen den wenigen Passanten trotzdem nach, die am heißen Nachmittag aus einer nahe gelegenen Metrostation kommen.

Auch Libin Baxla verbringt viel Zeit auf der Straße. Der 44-Jährige verdient als Fahrer in einem Auto in Delhi sein Geld. Er ist froh, dass er – anders als die Autorikscha-Fahrer – ein fixes Monatsgehalt von 25.000 Rupien, rund 310 Euro, verdient. Aber auch er kämpft mit der Hitze beim vielen Warten draußen.

Am Wochenende habe er sich krank gefühlt, hatte eine hohe Körpertemperatur und Durchfall. Ein Arzt habe gesagt, dass er wohl einen Hitzeschlag erlebt habe. Manchmal, so sagt er, verderbe zudem wegen der Hitze das Lunchpaket, das ihm seine Frau am Morgen zubereite.

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Die Ernte wird schlechter und Mülldeponien fangen Feuer

Die Hitze hat auch die Landwirtschaft beeinträchtigt. In den indischen Bundesstaaten Punjab, Haryana und Uttar Pradesh gab es unter anderem wegen der frühen Hitzewelle 10 bis 35 Prozent weniger Weizenertrag, wie die Zeitung The Economic Times berichtete.

Einige Mülldeponien haben Feuer gefangen – wegen der Hitze und einer Ansammlung von Gasen, heißt es von der Feuerwehr. In der Hauptstadt brannte die Bhalswa-Mülldeponie tagelang und hüllte die Umgebung in giftigen Rauch. Einige Schulen in der Umgebung mussten dort deswegen schließen. Und besonders Kinder und ältere Menschen litten wegen der Gase an Atemproblemen, wie der TV-Sender India Today berichtete.

Ein Mann und ein Junge laufen durch das jetzt trockene Flussbett des Yamuna River, ein Nebenfluss des Ganges. AP/Manish Swarup

In Indiens Nachbarland Pakistan warnten Behörden wegen des schnell schmelzenden Schnees bei den nördlichen Hindukusch-Bergen vor Überschwemmungen und einer Gletscherwasser-Ausbruchsgefahr. Shahzad Shigri von der Umweltschutzbehörde der Provinz Gilgit-Baltistan sagte, solche Ereignisse passierten oft rasch, wodurch Menschen in Gefahr seien. Die Provinzregierung habe die Katastrophenschutzbehörde in Alarmbereitschaft versetzt. Laut Pakistans Ministerin für Klimawandel, Sherry Rehman, fiel die Regenmenge in diesem Jahr um mehr als die Hälfte geringer aus als in vorherigen Jahren.

Bauarbeiter Bharat Ram sagt, zwei seiner Mitbewohner seien krank, nachdem sie den ganzen Tag in der prallen Sonne Zement und Ziegel hätten schleppen müssen. Der 22-Jährige versucht, möglichst viel Wasser zu trinken und seinen Kopf draußen zu bedecken.

In den sozialen Medien bitten einige Leute andere, streunenden Tieren Wasser hinzustellen. Viele Menschen in Indien füttern regelmäßig Hunde, Katzen, Affen, Vögel und Kühe, die auf der Straße leben.

Die Hitze bleibt Indien und Pakistan als Phänomen erhalten – aber immerhin kündigten die Wetterdienste der beiden Länder Anfang der Woche ein gewisses Abkühlen in vielen Regionen und leichten Regen an. Bald würden aber wieder höhere Temperaturen als gewöhnlich in verschiedenen Regionen erwartet, heißt es von den Wetterdiensten in beiden Staaten.