Zwischen den Jahren waren Ambulanzen und Notaufnahmen vielerorts unterbesetzt. Patienten mussten warten, wurden abgewimmelt. Immer mehr tragische Vorfälle kommen jetzt zum Vorschein, die zeigen, welche dramatischen Folgen die medizinische Unterversorgung hatte. Über den Fall der vierjährigen Emily hatte der Berliner KURIER kürzlich berichtet. Verzweifelt hatten sich ihre Eltern bemüht, bei Klinik-Ärzten Gehör zu finden. Als das Mädchen schließlich zu Neujahr im Krankenhaus aufgenommen wurde, war es zu spät. Wenige Stunden später war Emily tot.

Ein jetzt bekannt gewordener Fall, der sich ausgerechnet am Silvestertag abspielte, macht ebenso fassungslos. Mit quälenden Schmerzen kommt die dreifache Mutter in die Notaufnahme, wird diese nicht mehr lebend verlassen. Ihr nunmehr verwitweter Ehemann schildert den Fall der Kanadierin in der US-Boulevardzeitung New York Post.

Nach Reitunfall entsetzliche Schmerzen, schließlich konnte sich Ali nur noch am Boden krümmen

Demnach soll seine Frau Allison, die sich selbst Ali nannte, bereits im September beim Reiten vom Pferd gefallen sein. Seitdem habe Ali über Schmerzen geklagt. Nichts half, und ausgerechnet am letzten Tag des Jahres eskalierte die Situation: Mit fürchterlichen Bauchkrämpfen sei Ali aufgewacht und habe sich dann vor Schmerzen auf dem Boden gekrümmt.

Mit seiner Frau sei er dann in ein nahe gelegenes Krankenhaus gefahren. Weil Ali nicht mehr laufen konnte, habe er sie auf dem Rücken in die Notaufnahme getragen!

„Ich glaube, ich sterbe hier. Lass mich nicht hier sterben.“

Zunächst habe sich das Krankenhauspersonal der Frau angenommen. Blut und Urin wurden abgenommen. Dann hätte das Paar aber stundenlang im Wartezimmer ausharren müssen. Weil Ali überhaupt nicht sitzen konnte, habe sie sich in Embryonalstellung auf dem Boden gekrümmt. Fünfmal habe er beim Krankenhauspersonal um Hilfe gebeten. Als Antwort sei er nur gefragt worden, ob seine Frau „immer so“ sei.

Daraufhin habe Ali nach vier Stunden Warten wörtlich gesagt: „Ich glaube, ich sterbe hier. Lass mich nicht hier sterben.“ Auch darauf sei keine Reaktion erfolgt. Am Abend, nach sieben Stunden in dem Wartezimmer, habe Ali vor Schmerzen geschrien und um Hilfe gefleht. Ihr Körper bäumte sich ein letztes Mal auf, der Puls raste und der Blutdruck sank.

Auf einmal wurden Ärzte auf die Frau aufmerksam: Ali wurden Schmerzmittel injiziert, sie wurde an ein EKG angeschlossen und in eine CT-Röhre geschoben. Dann stand das Herz der 37-Jährigen plötzlich still. „Code Blue“ heißt ein Herzstillstand im englischen Medizin-Jargon: Mehrere Wiederbelebungsversuche scheiterten. Der Tod wurde am Silvesterabend um 23.30 Uhr festgestellt. Bis dato stand die eigentliche Todesursache nicht fest. Die Klinik hat eine Untersuchung des Falls angeordnet.