Abgestorbene Fichten hinter einem Hang mit Baumstümpfen von gefällten Fichten. Nach dem dritten Dürrejahr in Folge hat sich der Zustand der Wälder weiter deutlich verschlechtert. Foto: Oliver Berg/dpa

Im Schatten der Corona-Pandemie hat sich das Jahr 2020 in Deutschland zum wärmsten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor fast 140 Jahren, im Jahr 1881, gemausert. „Das sind wirklich schockierende Nachrichten“, so Wetterexperte Dominik Jung (wetter.net). „Der Klimawandel läuft auch im Corona-Jahr unaufhörlich weiter.“ Trotz coronabedingter Einschränkungen weltweit und Reduzierungen beim Verkehr und Emissionen in Deutschland erreicht die Klimaerwärmung in diesem Jahr diesen neuen krassen Höhepunkt.

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Diplom-Meteorologe Jung erinnert an das Jahr 2018: Dies sei das bisher wärmste Jahr seit 1881 in Deutschland gewesen, mit durchschnittlich 10,45 Grad Celsius. „In 2020 liegen wir nun bei 10,75 Grad Celsius und damit schon drei Zehntel über dem bisherigen Rekordjahr.“ Und die Prognosen bis Weihnachten hält der Wetterexperte inzwischen für sicher: Von Einwinterung keine Spur. Stattdessen geht es sehr mild weiter. „Damit dürfte sich die Abweichung nach oben noch etwas vergrößern“, erklärt Jung: Im langjährigen Mittel der Jahre 1961 bis 1990 liegt die mittlere Temperatur in Deutschland bei 8,24 Grad. Selbst wenn es nach Weihnachten kälter werden sollte, sei somit der Rekord des Jahres 2020 sicher. Doch das, so Jung weiter, sei noch nicht alles.

„Nach Auswertung aller amtlichen Wetterstationsdaten vom Deutschen Wetterdienst komme ich zu dem Ergebnis, dass 2020 das dritte Dürrejahr in Folge ist und sogar noch trockener als 2019.“ Bisher fielen deutschlandweit gesehen rund 16 Prozent zu wenig Niederschlag. Auch hier sei nicht mehr damit zu rechnen, dass wir bis Jahresende das Soll, sprich die 100 Prozent, erreichen werden. „Damit haben wir nun drei zu trockene Jahre in Folge.“

Das Jahr 2020 in Zahlen:

Mittlere Temperatur in Deutschland: 10,75 Grad (Stand: 15. Dezember 2020)

Mittlere Niederschläge in Deutschland: 667 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, ein Minus von 16 Prozent (Stand: 15. Dezember 2020)

Mittlere Sonnenscheindauer:  1868 Stunden, ein Plus von 20 Prozent über dem Klimamittel (Stand: 15. Dezember 2020)

Wärmster Tag: 9. August 2020, 38,6 Grad in Trier-Petrisberg

Kältester Tag: 19. Januar 2020, -18,9 Grad auf der Zugspitze

Nassester Tag: 14. Juni 2020, 258 Liter Regen pro Quadratmeter in Guxhagen-Albshausen (Hessen)

Meiste Hitzetage: Rheinfelden und Saarbrücken mit je 26 Tagen über 30 Grad

Meiste Sommertage: in Waghäusel-Kirrlach, 96 Tage mit über 25 Grad

Meiste Tropennächte: Mainz und Frankfurt mit je 10 Tagen, an denen es sich nachts nicht unter 20 Grad abgekühlt hat

Meiste Eistage: Zugspitze mit 161 Tagen, an denen es nicht wärmer als 0 Grad binnen eines Tages wurde

Trockenster Ort: 330 Liter pro Quadratmeter in Grünow

Nassester Ort: 2232 Liter Regen pro Quadratmeter auf der Oberen Firstalm/Schlierseer Berge