Deutschrocker Klaus Lage steht an der Weser. Foto:  Sina Schuldt/dpa

Anzeichen von Altersweisheit? „Das wär' schön“, sagt Klaus Lage und lacht. Aber er sagt: „Ich will mich nicht künstlich jung machen.“ Am 16. Juni wird der Liedermacher und Deutschrocker („1000 und 1 Nacht“) 70 Jahre alt. Zum Gespräch ist er gekommen, wie man das in Bremen so macht: mit dem Fahrrad und einer kurzen Fährfahrt über die Weser.

Eine Feier zu dem Ehrentag wird es für den vierfachen Großvater wegen Corona nicht geben. Sein Geschenk kommt danach. Ihm sind wegen der Pandemie schon mehrere Studiotermine geplatzt. „Am Tag nach meinem Geburtstag gehen wir ins Studio. Und dann nehmen wir eine Swingplatte auf“, sagte Lage.

„Das ist vielleicht nicht mehr das, womit ich in den 80er Jahren bekannt geworden bin“, sagt er. Damals spielte er erdigen Rock mit deutschen Texten, hatte Hits wie „Mit meinem Augen“ oder „Monopoli“. Lage schrieb den Song „Faust auf Faust“ für den ersten Kino-„Tatort“ von 1985 mit Götz George als Kommissar Schimanski im Ruhrpott.

Klaus Lage mit seiner Band bei einem Auftritt 1987 Foto: Imago

Nun mache er schon seit einigen Jahren andere Musik, damit es ihm nicht langweilig werde, erzählt Lage. Eine erste Swing-Platte seiner Lieder, arrangiert für Big Band, brachte er 2018 heraus. Auf der neuen Platte soll Lounge-Swing erklingen mit kleiner Besetzung: Piano, Bass, Schlagzeug und Gesang. „Man kommt nachts um halb zwölf in eine Bar, und da spielt eine coole Band“ - so stellt er sich die Atmosphäre vor.

Die sanfteren Töne haben für Lage durchaus mit dem Älterwerden zu tun. Den wilden Rock‘n‘Roller will er nicht mehr geben. „Ich finde das immer ein bißchen lächerlich“, sagt er. Ganz aufgeben will er seine Klaus Lage Band zwar nicht, aber er will sich auch nicht eine Ecke mit Oldie-Rock der 80er Jahre drängen lassen.

Einiges ändert sich für den sozialkritischen Musiker nicht. Er kann sich aufregen über den Aufmarsch von Rechtsextremen in Chemnitz, über die rassistischen Anschläge von Halle und Hanau. Und aktuell in den USA: „Wenn man im Fernsehen sieht, wie ein Polizist einen Schwarzen umbringt, ist das schon erschütternd.“

„Ich bin wieder zuhaus“ ist eins von Lages bekanntesten Liedern: Ein junger Erwachsener kehrt in die Heimat zurück. Jeder Zuhörer denkt dabei an sein eigenes Provinznest. «Für mich ist das Soltau», sagt Lage. In dem Städtchen in der Lüneburger Heide ist er 1950 geboren. Als junger Mann ging er nach Berlin, war Erzieher und Sozialarbeiter, bevor er zur Musik wechselte. Auch im Rheinland hat Lage gelebt, nur nie im Süden: „Ich bin ein Nordwestostdeutscher“.