Anfang Januar 2022 wurde ein Arztehepaar in Oberfranken ermordet. Angeklagt sind der zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alte Freund der Tochter des Paares sowie die damals 16 Jahre alte Tochter selbst.
Anfang Januar 2022 wurde ein Arztehepaar in Oberfranken ermordet. Angeklagt sind der zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alte Freund der Tochter des Paares sowie die damals 16 Jahre alte Tochter selbst. dpa/Daniel Karmann

Nach außen hin lebten sie das perfekte Leben. Vier Kinder, die Eltern arbeiteten als Mediziner. Ein schickes Einfamilienhaus vor den Toren Bayreuths. Der 51-jährige Vater war als Kinderarzt in der Region bekannt und geschätzt, Anfang 2022 wollte der Mann eigentlich mit seinem Praxis-Partner ein neues Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin eröffnen. Doch er wurde ermordet. Heimtückisch im eigenen Schlafzimmer und gemeinsam mit seiner Frau. Und ausgerechnet die Tochter der beiden steht im Mittelpunkt der Mordermittlungen.

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Wie viel Hass kann ein Mensch haben, dass er zu solch einer Schreckenstat bereit ist? Was treibt einen Teenager dazu, seine eigenen Eltern zu ermorden? In der Nacht vom 8. auf 9. Januar 2022 fand die Polizei in einem Einfamilienhaus in Mistelbach im Landkreis Bayreuth zwei Leichen.

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Ein 51 Jahre alter Kinderarzt und seine 47 Jahre alte Frau, ebenfalls Ärztin. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft stach der heute 19-jährige Freund der Tochter zu, während die 17-Jährige ihre Geschwister davon abgehalten haben soll, einzugreifen oder Hilfe zu holen. So lautet die Anklage in einem Prozess, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt wird und in dem am Montag die Urteile erwartet werden. Drei Monate lang wurde verhandelt.

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Ärzte-Ehepaar im Schlafzimmer erstochen

Viel ist nicht bekannt zu dem spektakulären Fall. Nicht wegen des Alters der Angeklagten und auch nicht wegen derer psychischen Verfassung. 33 Zeuginnen und Zeugen wurden nach Worten eines Justizsprechers vernommen, vier Sachverständige gaben Auskünfte, darunter zwei Rechtsmediziner.

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Polizeiabsperrband ist vor dem Haus in Mistelbach angebracht, in dem in der Nacht 9. Januar 2022 zwei Menschen getötet wurden.
Polizeiabsperrband ist vor dem Haus in Mistelbach angebracht, in dem in der Nacht 9. Januar 2022 zwei Menschen getötet wurden. Nicolas Armer/dpa

Nun also die Urteile: „Han­nah hasste ihre Eltern, sie wollte sie tot sehen“, sagte Richterin Andrea Deyerling. Sie schickt die Schülerin für neuneinhalb Jahre in den Knast! Ihr Freund muss we­gen des heimtückischen Dop­pelmordes für 13,5 Jahre hinter Gitter: „Er wollte seine Freun­din vor ihren Eltern beschüt­zen und sie glücklich ma­chen.“

Das laut Urteil voll schuldfähige Mädchen war in einer Klasse für Hochbegabte eines Bayreuther Gymnasiums, fing aber irgendwann mit dem Schuleschwänzen an. Die Eltern waren laut Gericht überfordert, sie suchten sich Hilfe beim Jugendamt. Doch die pubertierende Tochter bekamen sie nicht unter Kontrolle - die Mutter wollte sogar aus Angst vor ihr einen Selbstverteidigungskurs machen.

Freund der Tochter wohnte mit im Elternhaus

Um die Tochter nicht völlig zu verlieren, nahmen sie deren Freund auf, nachdem dieser an seinem 18. Geburtstag von der eigenen Mutter zu Hause rausgeworfen worden war. Das war ganz offenbar das Todesurteil für die 47 Jahre alte Mutter und ihren 51 Jahre alten Mann. Am 8. Januar 2022, unmittelbar vor der Tat, soll die Tochter gegoogelt haben: „Darf man mit 16 allein im Haus der Eltern wohnen, wenn diese verstorben sind?“

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Dann soll sie dem Urteil zufolge ihren Freund manipuliert haben. Sie unterstellte ihrem Vater massive Schläge - was laut Gericht im Prozess widerlegt wurde. In ihrem intellektuell völlig unterlegenen Freund fand sie dabei demnach ein Instrument. Er habe nie die unwahren Äußerungen der Freundin hinterfragt, sagt die Richterin. Als Tatplan heckten beide aus, den Mord als missglückten Diebstahl aussehen zu lassen.

Der Freund habe sich für seine Rolle als Dieb ganz in Schwarz gekleidet. „Du siehst echt sexy aus“, habe ihm seine Freundin bestärkend gesagt - und ihn mit diesen Worten dann losgeschickt, um die gehassten Eltern zu erstechen.