Das verkhohlte Hauptfenster der Kathedrale. Foto: AFP/Sebastien Salom-Gomis

Als die Feuerwehr am Samstagmorgen um kurz vor acht Uhr zur St. Peter-und-Paul-Kathedrale im französischen Nantes gerufen wurde, musste sie das Schlimmste ahnen. Zu sehr sind die Erinnerungen an den Großbrand von Notre-Dame in Paris noch im Gedächtnis.

Hohe Flammen schlugen den rund 100 Einsatzkräften aus dem Hauptfenster entgegen. Doch schon gegen 10 Uhr hatten sie den Brand unter Kontrolle. Dennoch wurde die Orgel „völlig zerstört“, wie Feuerwehr-Chef Laurent Ferlay mitteilte. Zudem drohe die Plattform, auf der sie stehe, zusammenzubrechen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen wegen Brandstiftung. An drei Stellen sei das Feuer ausgebrochen, sagte der Staatsanwalt von Nantes, Pierre Sennes. „Das ist kein Zufall, das ist eine Unterschrift.“ Ermittler würden die Kirche im Laufe des Tages besuchen. Ein Brandherd sei bei der großen Orgel und zwei weitere links und rechts im Kirchenschiff festgestellt worden, berichtete der Fernsehsender BFMTV unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft.

Kathedrale brannte schon in den 70ern

Die Kathedrale von Nantes aus dem 15. Jahrhundert gehört zur französischen Spätgotik. Bei einem Feuer 1972 wurde nach Angaben der Diözese von Nantes der Dachstuhl der Kirche komplett zerstört. Nach Restaurierungsarbeiten öffnete die Kirche 1985 wieder ihre Türen. 2015 hatte in Nantes zudem ein spektakuläres Feuer das Dach der Basilika Saint-Donatien zerstört.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron trauerte auf Twitter über den Brand und erinnerte auch an den Brand von Notre-Dame. Er bezeichnete die Kathedrale von Nantes in dem Tweet als „gotisches Juwel“. Frankreichs Premierminister Jean Castex bedankte sich bei den Feuerwehrleuten für ihren Einsatz. Er kündigte an, am Samstagnachmittag gemeinsam mit Kulturministerin Roselyne Bachelot und Innenminister Gérald Darmanin nach Nantes zu fahren, um den Schaden zu sehen.