Deutschland drohen starke Schneefälle. Foto: imago images/ChinaImages

„Schneemassen und Schneesturm“, „Bis zu 50 Zentimeter Neuschnee“, „Gefährlicher Glatteisregen“ - die Wetterportale überschlagen sich mit ihren Schlagzeilen. Seit langer Zeit hat es so eine Wetterlage nicht mehr gegeben. ARD-Wettermann Donald Bäcker sagt sogar: So etwas hatte ich in meiner Karriere noch nie. 

Den stärksten Schneefall seit Jahrzehnten kündigen die Meteorologen an. Mit deutlichen Unwetterwarnungen. Dazu spiegelglatte Straßen durch ergiebigen Eisregen und sogar großflächige Stromausfälle sind möglich...  

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Es ist der aktuelle Warm-Kalt-Kontrast, der die Wetterlage so gefährlich macht. Frühling im Süden und Südwesten bei bis zu 16 Grad und die aufziehende stramme Winterkälte in der Nordhälfte der Republik. 

Am Wochenende drängt nämlich die milde und sehr feuchte Luft aus dem Süden gen Norden. Gleichzeitig schubst ein Polarwirbel arktische Kaltluft in den Norden Deutschlands. Eine Lage mit „Katastrophen-Potenzial“.

Dass es viel Schnee geben wird, ist laut den Experten inzwischen sicher. Letzte Unsicherheiten gibt es nur noch in der Frage, wie genau sich der  Neuschnee ausbreitet. 

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Im Stundenrhythmus ändern sich die Details in den Prognosen. Derzeit sieht alles danach aus, als würden vor allem NRW, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen mit voller Wucht erwischt. Südlich dieser Linie, also an der Grenze zwischen Kalt- und Warmfront könnte es zu anhaltendem Eisregen  mit gefährlichen Folgen kommen. 

Es bleibt dabei: Bis zu 50 Zentimeter Neuschnee halten die Experten örtlich für möglich. Bei stürmischem Wind seien Schneeverwehungen möglich.

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Los gehen die Niederschläge voraussichtlich am Sonnabendnachmittag. In einem breiten Streifen vom Emsland bis nach Brandenburg und Sachsen werde es kräftig und teils unwetterartig schneien. Auch in Berlin und Hamburg wird es Schnee geben. Nach aktuellem Stand der Vorhersagen liegen die Großstädte aber am Rand des Niederschlagsgebiets und werden deshalb glimpflich davonkommen. Sicher ist das aber noch nicht.    

Temperaturen stürzen ab

In jedem Fall müssen wir in der Nordhälfte Deutschlands laut übereinstimmenden Wetterprognosen überall mit einer geschlossenen Schneedecke rechnen - auch im Flachland. Möglich sind dazu Sturmböen. Straßenglätte und Schneeverwehungen sind vielerorts wahrscheinlich.  

Wie heftig erwischt die Schnee-Front Berlin und Brandenburg? Foto: imago images/Christian Spicker

Und auch die Temperaturen stürzen ab. Auf  mindestens minus 8 Grad sollen die Thermometer fallen. Der Schnee werde tagelang liegenbleiben, so die Vorhersage. Nicht auszuschließen sei, dass Straßen gesperrt und einzelne Gebiete von der Außenwelt abgeschnitten werden. Die Meteorologen empfehlen deshalb dringend, die aktualisierten Wettervorhersagen aufmerksam zu verfolgen.

Gefahr gehe in jedem Fall von gefrierendem Regen aus, der extreme Glätte verursache. „Wir haben weiter eine sehr unsichere Lag“, so der Hamburger Meteorologe Frank Böttcher. 

Es droht Neuschnee-Chaos

Viele Experten erinnert die Lage an die Schneekatastrophe im Winter 1978/1979. Damals wütete ein Schneesturm fünf Tage lang über Norddeutschland. Der Katastrophenfall wurde ausgerufen, ganze Ortschaften waren von Schneemassen eingeschlossen, der Verkehr auf Autobahnen und auf der Schiene kam zum Erliegen.  

Norddeutschland im Januar 1979: Meterhoch türmten sich die Schneemassen auf, Städte und Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten, der Zugverkehr kam zum Erliegen.  Foto: dpa/Schilling

Tatsächlich sehen die Meteorologen Parallelen zur aktuellen Wettersituation. Auch vor 42 Jahren lag der Norden unter Einfluss einer extremen Kaltfront. Während es in Hamburg schneite, wurden in Freiburg noch 15 Grad gemessen (heute: 16). Auch damals trafen eisige Kaltluft aus Nordskandinavien und Nordrussland und warme Luft aus dem Süden aufeinander...

Hier die Tagesschau vom 30. Dezember 1978: 

„Es sieht danach aus, als ob da was im Busch ist“, sagt auch der Deutsche Wetterdienst (DWD). „Wenn es so kommt, wird man davon noch Jahre sprechen können.“

In der Nacht auf Sonntag wandert das Schneegebiet laut DWD auch nach Sachsen. Dort können bis zu 20 Zentimeter Neuschnee fallen. Ein kalter Wind aus Osten drückt die Temperaturen auf bis zu minus acht Grad und führt zu erheblichen Schneeverwehungen.

„Generell ist die Wetterlage etwas chaotisch. Wo genau die Schneegrenzen liegen, ist noch nicht ganz klar“, so ein Sprecher des DWD. Der Sonntag werde ähnlich kalt mit bis zu 15 Zentimetern Neuschnee und starken Schneeverwehungen. Erst in der Nacht auf Montag lassen Schneefall und Wind etwas nach. Die kommende Woche bleibe jedoch winterlich kalt bei bis zu 15 Grad minus auch in tieferen Lagen.