Spermien schwimmen auf eine Eizelle zu. Auch noch nach einer Corona-Infektion? Foto: Imago-Images/ktsdesign

Je mehr Menschen sich mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 infizieren, umso größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass seltene Folgen auftreten. Nun befürchten Forscher von der Miller School of Medicine an der Universität von Miami, dass eine Infektion mit dem Virus die Fruchtbarkeit von Männern beeinflussen könnte. In einer Studie konnten sie Corona in den Hoden mehrerer Männer nachweisen.

Wie die Wissenschaftler im „World Journal of Men’s Health“ beschrieben, untersuchten sie Gewebeproben von sechs Patienten, die nach einem schweren Verlauf an Covid-19 starben. Bei der Hälfte von ihnen war das Virus auch im Hoden nachweisbar und hatte dort offenbar die Zellen angegriffen, die für die Bildung von Spermien zuständig sind.

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Und auch bei einem lebenden Patienten, der nach einer Corona-Infektion keine Symptome mehr hatte und inzwischen negativ getestet worden war, konnten noch Sars-CoV-2-Viren im Hoden nachgewiesen werden. Der 28-jährige Patient hatte sich selbst wegen Unfruchtbarkeit untersuchen lassen, dabei fiel seine Covid-Vorgeschichte auf, sagte Studienleiter Dr. Ranjith Ramasamy, Professor für reproduktive Urologie an der Miller School, der „New York Post“.

Ramasamy sei sich ziemlich sicher, dass „genau wie bei Mumps etwa 20 bis 30 Prozent der Männer in Zukunft eine beeinträchtigte Fruchtbarkeit haben werden“. Doch das müssten weitere Untersuchungen zeigen, schließlich zeigte diese Studie erstmals nur, dass Coronaviren offenbar die Blut-Hoden-Schranke überwinden können und auch noch im Hoden nachweisbar sind, wenn die Infektion eigentlich schon vorbei ist.

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Darüber kann diese Studie kaum eine Aussage treffen, wie die Autoren selbst in ihrem Fazit schreiben. Doch sie werfen einige Fragen auf. So sei es beispielsweise möglich, dass das Coronavirus nicht nur die Fruchtbarkeit von Männern einschränken kann, sondern – einmal im Hoden angekommen – auch sexuell übertragbar sei. Beides müssten aber weitere Studien klären.

Sicher ist laut Ranjith Ramasamy nur eines: Wer an Covid-19 erkrankt war und Schmerzen im Hoden verspürt, sollte einen Urologen aufsuchen.