In einer gestellten Szene wird eine Unfallsituation mit einem Smartphone fotografiert. Das Handy erkennt den QR-Code. dpa/André Wagenzik

Sie sind überall, wo es menschliches Leid zu sehen gibt: Gaffer. Sie versperren Rettungskräften den Weg, behindern deren Arbeit und laben sich am Leid von Menschen, die bei einem Unfall zu Schaden gekommen sind. Zwar gibt es seit Anfang des Jahres härtere Strafen für Gaffer, doch offenbar hat sich das noch nicht herumgesprochen. Und die Rettungskräfte haben am Unfallort oft besseres zu tun, als sich mit den Schaulustigen auseinanderzusetzen. Um Gaffer dennoch abzuschrecken, haben die Johanniter jetzt eine kreative Idee umgesetzt.

QR-Code soll Gaffern den Spiegel vorhalten

Gaffer schauen nicht mehr nur noch und ergötzen sich selbst am Leid anderer, seit dem Siegeszug des fotofähigen Handys werden auch immer wieder Fotos und Videos von Verletzten und Rettungseinsätzen gemacht. Doch genau dem schieben die Johanniter jetzt einen Riegel vor. Wie das funktioniert, stellten sie in einem Video in den sozialen Netzwerken vor: Die Unfall-Retter haben ein QR-Code-Design für ihre Geräte und Einsatzwagen erstellt. Der Code enthält einen Link auf die Johanniter-Webseite, auf der Informationen zu Gaffern stehen. 

Beim Fotografieren mit Smartphones wird dieser Code automatisch erkannt und ein Hinweis an die Nutzer geschickt, die Seite aufzurufen. Dort bekommen sie dann die eindringlichen Worte: „Stopp! Gaffen tötet!“ zu sehen und den Satz: „Du behinderst Rettungskräfte und machst dich strafbar.“ „Die innovative Idee hat das Potenzial, eine sehr breite Öffentlichkeit zu erreichen und viele Menschen zum Umdenken zu bewegen“, ist Johanniter-Vorstand Jörg Lüssem überzeugt.

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Neben einer gestellten Unfallszene der Johanniter-Unfall-Hilfe ist eine Stellwand mit einem QR-Code zu sehen, der die Botschaft „Gaffen tötet“ enthält.

Starten soll die Initiative, die die Retter mit der Agentur Scholz & Friends erarbeitet haben, übrigens in Berlin. In der Hauptstadt sollen acht Rettungswagen und ein Intensivtransportwagen mit dem innovativen Design ausgestattet werden. David Kreuziger, Mitglied des Landesvorstands der Johanniter in Berlin/Brandenburg freut sich schon. „Gaffer sind ein Riesenproblem in allen Rettungsdiensten“, sagt er. „Daher sind wir sicher, dass diese Aktion eine hohe Aufmerksamkeit bekommen und Nachahmer in der gesamten Branche finden wird.“

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Zusammen mit möglichen Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren, könnte diese Aktion sicher den ein oder anderen Gaffer abhalten - und vielleicht verlieren die auch die Lust, wenn weitere Organisationen nachziehen. Vom Erfolg ist Johanniter-Chef Lüssem jedenfalls überzeugt. Die Aktion habe „Potenzial, eine sehr breite Öffentlichkeit zu erreichen und viele Menschen zum Umdenken zu bewegen“.