Forscherinnen in einem Labor. Foto: dpa/Daniel Cole

Als wäre die britische Corona-Mutation B1.1.7 mit seiner höheren Ansteckungsrate nicht schon schlimm genug, jetzt hat es sich offenbar noch einmal verändert, wie Forscher aus dem Vereinigten Königreich schreiben. In bisher elf dokumentierten Fällen weist die Mutante nun auch Veränderungen auf, die für die aus Südafrika bekannte Mutante charakteristisch sind. Das könnte zum Problem werden, denn während die britische Variante vor allem ansteckender ist, steht die südafrikanische nach ersten Daten im Verdacht, die Immunantwort bei Geimpften abzuschwächen.

Ein Bericht der Gesundheitsbehörde Public Health England habe ergeben, dass die E484K genannte Mutation spontan in einer Handvoll Fälle aufgetaucht sei. Noch sei die Zahl aber ziemlich gering. Elf von 200.000 Proben seien betroffen gewesen. „Dies deutet darauf hin, dass die britische Variante nun selbstständig die E484K-Änderung entwickelt“, sagte Jonathan Stoye vom Francis Crick Institute. 

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Die Mutante war zuvor bereits in der Variante aus Südafrika festgestellt worden. In einer Untersuchung hatten die Impfstoffproduzenten Pfizer und Biontech festgestellt, dass Geimpfte gegen die Variante aus Südafrika offenbar eine etwas schwächere Immunantwort aufbauen. Dies führe aber „vermutlich nicht zu einer signifikant verringerten Wirksamkeit des Impfstoffs“, lautet die Einschätzung des Unternehmens. Laut einem Bericht des Spiegel wirkt sich die E484-Mutation allerdings deutlich auf den noch nicht zugelassenen Impfstoff des Herstellers Novovax aus. Von einer Absenkung der Wirksamkeit von 90 auf 60 Prozent ist die Rede. Weitere Studien werden notwendig sein, um zu klären, ob das für alle Impfstoffe gilt – und was das tatsächlich für den Schutz der Geimpften aussagt. Vor allem, wenn sich die Kombi-Mutation tatsächlich verbreiten sollte.

Bisher haben Laboruntersuchungen gezeigt, dass Antikörper weniger in der Lage seien, an Spike-Proteine mit E484K-Mutation zu binden. Wissenschaftler Stoye sagte, es sei nicht überraschend, dass neue Varianten auftreten. „Es bleibt abzuwarten, ob diese Mutation dem neuen Virus einen Wachstumsvorteil verschaffen wird.“

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Der Virologe Julian Tang von der Universität von Leicester sprach von einer „besorgniserregenden Entwicklung“, die allerdings „nicht völlig unerwartet“ komme. Tang sagte, es sei umso wichtiger, sich an die Corona-Regeln zu halten und die Ausbreitung des Virus zu stoppen, damit es kein „Schmelztiegel“ für neue Varianten werde.