Debatte über Diskriminierung

Update! Tafel in Thüringen verteilt Lebensmittel zuerst an Deutsche!

Bei einer Tafel in Kahla in Thüringen sind Lebensmittel und Helfer knapp. Deshalb hat die Leitung entschieden: Lebensmittel zuerst für Deutsche.

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Bedürftige stehen bei einer Tafel an.
Bedürftige stehen bei einer Tafel an.Symbolbild/U.J. Alexander/imago

Die Tafel im thüringischen Kahla verteilt ihre Lebensmittel zuerst an Deutsche. Das berichtet der MDR in einem Beitrag aus der Lebensmittelspenden-Organisation vor Ort am Mittwoch. Auch gegenüber dem KURIER bestätigt die Leiterin der Tafel, Tina Staude, das Vorgehen. Doch hinter der Diskriminierung offenbaren sich ganz andere Probleme.

Den Vorwurf, der nach dem MDR-Beitrag aufkam, weise man jedoch von sich. „Das hat nichts aber auch gar nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun“, sagt Staude auf Anfrage des KURIER. Bei der Verteilung dienstags und freitags würde man Deutsche und Ukrainer getrennt einbestellen. „Es geschah am Anfang aus dem Grund, dass ich einen Übersetzer organisiert habe, der zeitlich nur beschränkt für uns tätig sein konnte.“ Wie die Leiterin der Tafel in Kahla erklärt, habe man daher die Ukrainer alle in ein Zeitfenster nehmen müssen.

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Doch von der Leitung würden weiterhin zunächst die deutschen Kunden der Tafel versorgt - diese bezeichnet Staude jedoch als „Altkunden“. Erst nach diesen letzten deutschen Kunden dürfen sich die neueren Tafel-Nutzer, wie Ukrainer und andere Geflüchtete sich ihre Lebensmittel nehmen. „Die Deutschen waren vorher da und sie werden immer noch da sein, wenn die Ukrainer irgendwann wieder weg sind“, begründet Vereinschefin Tina Staude die Bevorzugung gegenüber dem MDR.

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Tafel in Kahla gibt Lebensmittel zuerst an Deutsche

Besonders ab der Mitte des Monats würden die Lebensmittel häufig knapp. Am Ende des Monats bleibt für die Ukrainer laut dem MDR mitunter gar nichts mehr übrig. „Wir haben nicht genug Ware, um alle Haushalte gleichmäßig und gleich gerecht zu versorgen. Ab Mitte des Monats wird es einfach schwierig, dass alle gerecht gleich viel bekommen“, sagte Tafel-Chefin Tina Staude dem MDR.

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Bei den deutschen Tafel-Kunden treffe dies auf Zustimmung. „Wir sind hier in Deutschland und da müssen die Deutschen auch zuerst versorgt werden“, zitiert der MDR eine Nachbarin, die selbst Tafel-Kundin ist. Tafel-Chefin Tina Staude verteidigt das Vorgehen. „Wir sind auf unsere deutschen Kunden angewiesen. Die Ukrainer akzeptieren das und haben damit Gott sei Dank überhaupt kein Problem.“

Verteilung bei Tafel zuerst an Deutsche verstößt gegen das Grundgesetz

Anders klingt das jedoch im Gespräch mit den Ukrainern. Die sind zwar dankbar für jede Hilfe. Eine ukrainische Kundin, die der MDR zitiert, wünscht sich aber gleiche Tüten für alle. Laut der Kahlaer Tafel funktioniere dies jedoch nicht. Viele Lebensmittel würden dann weggeschmissen.

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Doch die jetzige Lösung ist eindeutig ein Verstoß gegen das Grundgesetz, in dem es dazu heißt:

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 3, Absatz 3

Dass dies ein Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz sei, habe man nicht gewusst, räumt die Leiterin der Tafel gegenüber dem KURIER ein. Der Bericht veranlasst mittlerweile sogar die Tafel Deutschland zu einer Distanzierung. „Die Tafel Kahla (Thüringen) ist kein Mitglied bei uns. Unsere Mitglieds-Tafeln haben sich per Satzung dazu verpflichtet, Kund:innen gleichzubehandeln. Dazu stehen wir“, schreibt die Tafel Deutschland auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. 

Tafeln fehlt es an Lebensmitteln und Helfern

Die Kahlaer Tafel-Leiterin Staude verteidigt die Einteilung jedoch. So hätten die örtlichen Behörden die Tafel mit den Problemen mit der Versorgung so vieler Menschen, besonders nach der Ankunft der ukrainischen Flüchtlinge, schlicht allein gelassen. „Wir haben die Verantwortlichen aus dem Rathaus um Hilfe gebeten“, schildert die Frau. Doch statt Hilfe habe man lediglich die Polizei geschickt. „Die wussten gar nicht, was sie für uns tun sollen“, so Staude. 

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Die ungerechte Verteilung ist dabei die Kahlaer Lösung für ein Problem vieler deutscher Tafeln. Den Lebensmittelverteilern fehlt es vielerorts an Spenden und ehrenamtlichen Helfern, auch in Kahla. Dem MDR-Bericht ist zudem zu entnehmen, dass die Tafel in einem alten, maroden Gebäude untergekommen ist. Für Teile der Tafel gibt es nicht einmal eine Heizung. Und das obwohl man sich laut eigener Aussage seit sieben Jahren für alle bedürftigen Menschen engagiere, unabhängig der Herkunft.

Verbittert fragt die Leiterin: „Ist es nicht eigentlich die Aufgabe anderer Institutionen die Tafeln so zu unterstützen das für alle ausreichend Lebensmittel zur Verfügung stehen und geflüchtete Menschen gar nicht erst gezwungen sind, eine Tafel zu besuchen?“