Julia Nawalnaja auf einem Foto in der aktuellen deutschen Ausgabe des Lifestyle-Magazins Harper’s Bazaar.  Foto: Harper’s Bazaar

Selbstbewusst, unerschütterlich und nicht einzuschüchtern: Julia Nawalnaja beeindruckt die Welt seit jeher mit ihrer Stärke. Als Ehefrau des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny (44) wird sie bisweilen als die „First Lady“ der russischen Opposition bezeichnet. Nachdem ein Feature über sie in der russischen Ausgabe von Harper’s Bazaar zu lesen war, ist die 44-Jährige ab dem 3. März in einer Modestrecke mit Interview in der deutschen Ausgabe des Lifestyle-Magazins zu sehen. 

Nawalnaja ließ sich bereits im Dezember in einem kleinen Studio in Offenbach für die Rubrik „Helden“ ablichten. Zu der Zeit, als das Ehepaar Nawalny noch in Deutschland war. Dort erholte sich Alexej Nawalny von dem Mordanschlag, der im August 2020 auf ihn verübt wurde. Modechef Kai Margrander leitete das Fotoshooting und zeigt sich über die Zusammenarbeit mit Nawalnaja begeistert: „Sie ist eine natürliche Schönheit mit einer sehr starken Energie, dabei ungemein freundlich, nett und bescheiden.“

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Foto: dpa/AP/Sofiychuk
Julia Nawalnaja am 21. August 2020 im Gespräch mit Journalisten vor dem Ambulanzkrankenhaus Nr. 1 in Omsk, auf dessen Intensivstation der Oppositionspolitiker Nawalny behandelt wurde. 

Russische Medien werteten es als „Sensation“, dass die Ehefrau des Oppositionspolitikers nun in die Welt der Hochglanzmagazine vorstoße. Das bedeute Anerkennung eines wichtigen Teils der Gesellschaft, hieß es. Kremlchef Wladimir Putin (68) hatte Nawalny, den er nie beim Namen nennt, als unbedeutenden Blogger bezeichnet. Julia Nawalnaja ließ verlauten, dass sie ihren Mann unterstütze – nicht weil sie seine Ehefrau sei, sondern „weil ich seine Anhängerin und der Mensch bin, der am besten von allen weiß, was ihn all diese Jahre gekostet haben“.

Foto: dpa/www.instagram.com/navalny
Daria Nawalny, ihr Bruder Zahar, ihr Vater, der russische Kremlkritiker Alexej Nawalny und seine Frau Julia (v. l. n. r.) machen ein Selfie am Krankenbett in der Charité am 15. September 2020.

Die zweifache Mutter sprach im Interview erstaunlich offen über die Vergiftung ihres Mannes und wie sie diese schwierige Zeit durchstehen konnte. Das Mantra „Gib nicht auf“ half ihr dabei – ihre persönliche Hauptlektion für 2020, wie sie sagt. „Keine Schwäche zeigen, sich nicht selbst bemitleiden und das tun, was getan werden muss“, so Nawalnaja. Und das tat sie. Als ihr Mann vergiftet wurde, forderte sie die sofortige Ausreisegenehmigung für Alexej Nawalny – schwebte er doch in Lebensgefahr. Nach Monaten in Deutschland und ihrer Rückkehr mit ungewissem Ausgang nach Russland im Januar 2021 wurde Nawalny verhaftet. Doch im Ausland zu bleiben, das wollte das Ehepaar Nawalny nicht, wie Julia Nawalnaja im Interview erzählt: „Ich liebe Moskau, bin dort geboren und aufgewachsen. [...] Im Ausland zu bleiben, war jedoch keine Option. Auch und gerade weil das zu viele mächtige Leute gerne gesehen hätten.“

Nach der Verhaftung ihres Ehemannes zeige Julia Nawalnaja Mut: Sie rief zu Massenprotesten auf und wurde für ihre Teilnahme an diesen selbst mehrfach verhaftet. Sie sagt: „Das Leben hat meinen Willen gestärkt.“ Und ergänzt auf die Frage, ob sie von Natur aus furchtlos sei oder eine Strategie habe, Angst zu bewältigen: „Manchmal fragt mein Mann: ‚Hast du Angst?‘ Ich antworte dann: ‚Du weißt, was für ein Feigling ich bin‘, und er sagt: ‚Deshalb bist du so mutig: du behauptest, ein Feigling zu sein, aber du zeigst, es niemandem.‘“

Foto: dpa/AP/Alexander Zemlianichenko
Oppositionsführer Alexej Nawalny steht in einem Käfig im Babuskinsky Bezirksgericht am 20. Februar 2020. 

Julia Nawalnaja hatte sich zuletzt am Valentinstag bei Instagram zu Wort gemeldet, als es in vielen russischen Städten eine Solidaritätsaktion für ihren Mann und viele andere politische Gefangene gab. Nawalny wurde zu mehreren Jahren Straflager verurteilt, weshalb das Paar, das zwei Kinder hat, nun lange getrennt sein wird. Dem Kremlgegner drohen noch weitere Strafverfahren.