Spaniens Ex-König Juan Carlos ist ins Exil gegangen. Foto: dpa/Daniel Ochoa De Olza

Juan Carlos wird die Rettung der jungen spanischen Demokratie zugeschrieben, nachdem er im Februar 1981 einen gestarteten Militärputsch mit einer flammenden Rede beendete. Nun versucht sich der abgedankte König als Retter der Monarchie, die er mit zahlreichen Skandalen vor allem in seinen späten Jahren selbst ins Wanken gebracht hatte. Der inzwischen 82-Jährige geht ins Exil.

In einem offenen Brief, der auf der Website des Königshauses veröffentlicht wurde, wandte sich Juan Carlos an seinen Sohn König Felipe. Er wolle das Land verlassen, um seinem Sohn, der die spanische Krone im Juni 2014 übernommen hatte, seine Rolle nicht zu erschweren. Er habe die Entscheidung als Reaktion auf den „öffentlichen Widerhall auf gewisse Episoden meines früheren Privatlebens“ getroffen, schreibt Juan Carlos.

Juan Carlos' größter Moment: Mit einer Ansprache an sein Volk beendete er quasi den Militärputsch von 1981. Foto: dpa/Spanish Household

Von Episoden zu sprechen klingt dabei fast schmeichelhaft. Es geht im Kern um mehrere Skandale moralischer und finanzieller Natur. Juan Carlos wird mit Konten in Panama und der Schweiz und Offshore-Firmen in Verbindung gebracht. Wegen einer Geldzahlung aus Saudi-Arabien ermittelt sogar die spanische Justiz gegen ihn. Im Jahr 2008 soll der damalige König als Vermittler zwischen Scheichen und spanischen Firmen Schmiergeld in Höhe von 100 Millionen Dollar (damals etwa 90 Millionen Euro) erhalten haben. Der Deal kam zustande. Mehrere spanische Firmen bauten die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Mekka und Medina. Im Oktober 2018 wurde sie eingeweiht.

Nur wenige Monate zuvor kamen erneut Geldwäsche-Vorwürfe gegen Juan Carlos auf, nachdem zwei spanische Netzzeitungen einen Gesprächsmitschnitt zwischen einem Polizeikommissar und der deutschen Geschäftsfrau Corinna zu Sayn-Wittgenstein aus dem Jahr 2015 veröffentlichten. Die war zu diesem Zeitpunkt schon keine Unbekannte mehr in Spanien. Sie war es, die Juan Carlos im Jahr 2012 auf eine Elefantenjagd nach Botswana begleitete, wo sich der König seine Hüfte brach. Details und Fotos dieser Reise brachten nicht nur ihn, sondern auch die Monarchie in Verruf. Als die Unterstützung des Königshauses in Spanien erstmals unter 50 Prozent rutschte, dankte er 2014 nach fast 40 Jahren als König ab.

Corinna zu Sayn-Wittgenstein Foto: Imago Stock&people/Mikhail Metzel

Ein Grund für die Abdankung soll laut einem Biografen Juan Carlos‘ auch die angedrohte Scheidung von seiner Frau Sofia gewesen sein, die er zugunsten von seiner „Amiga“, wie Spaniens Medien Corinna zu Sayn-Wittgenstein nannten, verlassen wollte. Dazu kam es nie, doch sie wurde offenbar eng in die Geschäfte von Juan Carlos eingebunden. Von seinen Saudi-Millionen soll zu Sayn-Wittgenstein im Jahr 2012 rund 65 Millionen erhalten haben. „Ein nicht erbetenes Geschenk“, wie ein Anwalt der Deutschen der spanischen Zeitung El País erklärte. Juan Carlos habe „einige Jahre schlechter Gesundheit“ hinter sich gehabt, während derer „unsere Klientin ihn pflegte“. Das war wohl ein Dankeschön wert.

Doch in dem aufgezeichneten Gespräch aus dem Jahr 2015 wird deutlich, dass Juan Carlos seine frühere Geliebte auch als Strohfrau für illegale Geschäfte eingesetzt hatte. „Er tat das nicht, weil er mich besonders liebte, sondern weil ich meinen Wohnsitz in Monaco habe“, erzählte sie dem Polizisten in dem Mitschnitt. „Morgens stehst du auf und besitzt ein Grundstück in Marrakesch. Und er sagt: Gib es mir! Aber wenn ich das tue, ist es Geldwäsche.“ Juan Carlos unterscheide nicht zwischen legal und illegal, sagte sie – und ihre Aussagen lassen auch den Schluss zu, dass er über die Machenschaften seines Schwiegersohns Iñaki Urdangarin Bescheid wusste. Der Ehemann von Prinzessin Cristina sitzt derzeit wegen  Veruntreuung von Steuergeldern, Geldwäsche und Urkundenfälschung im Gefängnis.

König Juan Carlos und Sofia (r.) Foto: Imago-Images/Javier Lizon

Wegen dieser langen Liste an Vorwürfen zerschnitt sein Sohn Felipe im März schon große Teile des familiären Bandes. Er kündigte an, dass er auf das Erbe seines Vaters verzichten wolle, wenn der einmal stirbt. Und er entzog seinem Vater das Gehalt: ganze 194.000 Euro im Jahr. Die spanische Zeitung El Mundo machte damals deutlich: „Felipe bricht die Verbindungen zu seinem Vater ab.“ Ein harter Schritt, mit dem Felipe versuchte, das Ansehen der Monarchie zu retten.

Ähnlich dürfe nun wohl auch der Schritt Juan Carlos‘ zu werten sein, wenn man es gut mit ihm meint. Allerdings scheint wohl auch ein Machtkampf mit der spanischen Justiz eine Rolle zu spielen. Zwar kündigte Javier Sánchez-Junco, der Anwalt des Ex-Königs, in einer Mitteilung an, sein Mandant werde „dem Staatsanwalt jederzeit für alle als angemessen erachteten Verfahren oder Maßnahmen zur Verfügung“ stehen. Doch was als angemessen erscheint, wird von nun an Juan Carlos aus seinem Exil entscheiden.

Felipe und seine Frau Letizia tuscheln miteinander, während Juan Carlos nach vorne schaut. Foto: AFP/Dominique Faget

Sein Exil soll der ehemalige Chef des Bourbonenhauses in der Dominikanischen Republik gewählt haben. Laut spanischen Medien, darunter die konservativ-monarchistische Tageszeitung „ABC“, verbrachte Juan Carlos bereits die Nacht zu Montag nicht mehr im Zarzuela-Palast. Anschließend soll er über Portugal in den Karibik-Staat ausgereist sein. Wer ihn in sein Exil begleitet, ist nicht klar. Sicher ist nur: Ehefrau Sofia bleibt in Spanien, ihre Ehe bestand ohnehin nur noch auf dem Papier. Sie weilt laut El Pais bereits seit einigen Tagen im Marivent-Palast auf Mallorca, wo sie die kommenden Wochen mit ihrem Sohn Felipe, Königin Letizia, Kronprinzessin Leonor und Infantin Sofia verbringen wird. Auch werde sie sich weiter um ihre Stiftung kümmern.

Ob die Monarchie tatsächlich durch Juan Carlos‘ Gang ins Exil gerettet werden kann, bleibt abzuwarten. Seit Jahren werden die Proteste gegen das Königshaus heftiger. Auch in der spanischen Mitte-Links-Regierung sitzen inzwischen Kritiker der Monarchie. Es wird wohl darauf ankommen, wie die Zusammenarbeit des Ex-Königs mit der Justiz wirklich aussehen wird – und wie sich sein Nachfolger Felipe bewährt, nun da er vermeintlich unbelasteter seine Geschäfte als König führen kann. Doch auch ihm und seiner Familie fliegen längst nicht mehr die Herzen so zu wie zu Beginn seiner Regentschaft. Das liegt auch daran, dass Felipes Name - wenn auch offenbar unwissentlich - im März als Begünstigter einer dubiosen Offshore-Firma auftauchte. Denn solche Nachrichten wecken ungute Erinnerungen an seinen Vater.