John Dillermand hebt mit seinem Riesenpenis einen Herd auf sein Fahrrad. Foto: DR1

Nein, hier in Deutschland gibt es diese Serie noch nicht. In Dänemark wird aber bereits leidenschaftlich über „John Dillermand“ - zu Deutsch etwa John Pillermann - diskutiert. In der Sendung geht es um das Knetmännchen John Dillermand, einen bierbäuchigen Mann in einem rotweiß-gestreiften Badeanzug, einem beachtlichen Schnauzbart und einem nicht weniger beachtlichen Penis, der durchaus auch mal mehrere Meter lang werden kann. Doch das sorgt für Kritik.

Der Trailer verrät es: Es gibt nichts, was John Dillermand mit seinem Penis, der ebenfalls in dem gestreiften Badeanzug steckt, nicht kann. Er kann damit Flaggen Hissen, entlaufene Hunde einfangen, einen Grill anzünden - ja er kann ihn sogar zu einem Hubschrauber-Propeller umfunktionieren und herumfliegen. In einer von Männern dominierten Welt, in der der Penis bei Bewerbungsgesprächen, Gehaltsverhandlungen oder nachts auf der Straße tatsächlich so etwas wie eine Superkraft darstellt, wirkt eine unkritische Aufbereitung dieses Themas für Kinder irgendwie aus der Zeit gefallen.

Genderforscher: John Dillermand hält patriarchale Gesellschaft aufrecht

Und so kritisiert die dänische Autorin Anne Lise Marstrand-Jørgensen die Serie, die auf dem öffentlich-rechtlichen Sender DR1 ausgestrahlt wird für die Reproduktion von toxischer Männlichkeit. „Ist das wirklich die Art von Zeichen, die wir an Kinder senden wollen, während wir uns inmitten der #MeToo-Bewegung befinden?“, fragt die 49-Jährige.

Sie bekommt dabei Unterstützung von Genderforscher Christian Groes von der Universität Roskilde. „Natürlich ist das sehr gender-stereotypisch, wenn auch lustig. Ich finde es aber falsch, dass Johns Penis nicht in irgendeiner Form Widerstand erfährt“, so der Wissenschaftler. Die Serie halte die Standardvorstellung einer patriarchalischen Gesellschaft aufrecht und verharmlose „das schlechte Verhalten von Männern“ auf auf eine witzig gemeinte Weise.

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Tatsächlich ist die Sendung voller Slapstick-Einlagen, denn John Dillermand, hat nicht immer die volle Kontrolle über seinen Riesenpenis, der durchaus auch mal macht, was er will. Bei Kindern im Alter von vier bis acht Jahren, die üblicherweise über jede noch so vorhersehbare Slapsticknummer lachen und gerade ihren Körper entdecken, scheint die Serie in Dänemark auch gut anzukommen. Auch weil John Dillermand trotz seines Schnauzbartes wie ein Kind wirkt - und nicht nur, weil er bei seiner Mutter (oder einer mütterlichen Frau) wohnt.

Die - und das ist vielleicht der springende Punkt - hat einen immer wiederkehrenden Satz: „Wegpacken, John!“ Und John gehorcht. Meint man es wohlwollend mit der Kindersendung, könnte man hineininterpretieren, dass John Dillermand so etwas wie eine ironisch gemeinte Darstellung toxischer Männlichkeit ist, die es einzufangen gilt.

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So weit hat der Sender bei der Konzeption und Umsetzung von John Dillermand laut eigener Aussage aber nicht gedacht. „Das ist ja keine Sendung, mit der Kindern der Körper erklärt werden soll, sondern ein absurdes Slapstick-Universum mit einer Figur, die einen bis zu zehn Meter langen, gestreiften Penis hat“, so der verantwortliche Redakteur Morten Skov Hensen. „Sie ist ein bisschen peinlich, verboten und grenzüberschreitend – eben genau das, was Kinder im Alter von vier bis acht Jahren gerne machen.“ Ob diese Grenzüberschreitung Jungen im Alter von vier bis acht Jahren aber vorgelebt werde sollte, dazu äußerte sich Skov Hensen nicht.