Kriminaltechniker sind an der Lidl-Zentrale in Neckarsulm im Einsatz. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Es ist eine Häufung bedrohlicher Fälle, die nicht nur in Baden-Württemberg Sorge bereitet. Am Dienstag wurde ein Mitarbeiter bei ADM Wild, dem Hersteller von Capri-Sun in Eppelheim, durch eine Briefbombe verletzt, einen Tag später traf es drei Mitarbeiter in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm. Weitere Opfer konnten nun offenbar verhindert werden. In einem Paktverteilzentrum beim Flughafen München sei es gelungen, die Postsendung in der Nacht auf Donnerstag abzufangen und zu entschärfen, teilten die Staatsanwaltschaft Heidelberg mit.

Die dritte Bombe war nach Angaben der Ermittler an den Babynahrungshersteller Hipp adressiert, dessen deutsche Firmenzentrale im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm liegt. Der Fund der Bombe war offenbar kein Zufall, wie aus einer Mitteilung der Behörden hervorgeht. Dort heißt es, dass Ermittlungen den Fund im Münchener Paketverteilzentrum möglich gemacht hätten.

Die Ermittler aus Baden-Württemberg wussten offenbar, dass eine weitere Briefbombe unterwegs gewesen sein muss – und, dass diese auf dem Weg nach Pfaffenhofen war. Dann gaben sie den bayerischen Kollegen den Tipp. Offenbar war diese Sendung gemeinsam mit den Sendungen, die für die Lidl-Zentrale und das ADM Wild-Werk bestimmt war, in einer Postannahmestelle abgegeben worden.

Bei ADM Wild, dem Hersteller von Capri Sun, erlitt ein Mitarbeiter der Warenannahme ein Knalltrauma durch eine Verpuffung. Foto: Imago/Leonard Buchner

Die Ermittlungen führt die Staatsanwaltschaft zusammen mit dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg. Da das verdächtige Paket an ein Lebensmittelunternehmen mit Sitz in Bayern adressiert gewesen war, ist auch das LKA Bayern eng in die Ermittlungen eingebunden. „Es ist ein Zusammenhang anzunehmen zwischen diesen drei Päckchen“, sagte die baden-württembergische Landespolizeipräsidentin Stefanie Hinz. Auch Landesinnenminister Thomas Strobl (CDU) zeigte sich überzeugt: „Ich habe schon nach dem zweiten Fall eine Vermutung gehabt und habe sie nach dem dritten Fall auch“, sagte er.

Inzwischen wurde am LKA Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit den Polizeipräsidien Heilbronn, Mannheim und Ulm eine Sonderkommission mit mehr als 100 Beamten eingerichtet. Die zusammengezogenen Kräfte analysieren derzeit mit Hochdruck sämtliche Spuren, die an den Tatorten und der entschärften Briefbombe gesichert wurden, um dem Täter oder den Tätern möglichst schnell das Handwerk zu legen.

Ermittler noch auf der Suche nach einem Motiv

Ein klares Bild scheint es aber noch nicht zu geben. Denn was das Motiv anbelangt, tappen die Ermittler laut eigener Aussage noch im Dunkeln. Immerhin: Wie die mehrere Medien berichten, wurden die Briefbomben von Ulm aus verschickt. Nähere Angaben gibt es dazu bislang nicht.

Die drei Lidl-Mitarbeiter und der Capri Sun-Angestellte, die bei den Anschlägen verletzt wurden, konnten das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen. Sie sind auf dem Weg der Besserung. Doch bis der Absender der Bomben nicht gefasst ist, ist die Gefahr noch nicht gebannt.