Eintagsfliegen haben mehr mit Libellen gemein als mit normalen Fliegen. Foto dpa/Wolfgang Kleinsteuber

Sie sind älter als die Dinosaurier - nun wird eine der Eintagsfliegen als Insekt des Jahres besonders gewürdigt: Die Dänische Eintagsfliege (Ephemera danica). Ihr Lebenszyklus mache die Eintagsfliegen einzigartig, sagte Thomas Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg und Vorsitzender des Kuratoriums, am Freitag auf einer Online-Pressekonferenz. Die Dänische Eintagsfliege ist ein bis zwei Zentimeter lang, hat auffällige schwarze Flecken auf den Flügeln und lebt auch in Deutschland.

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Der Name ist etwas trügerisch: Denn während Eintagsfliegen als Fluginsekt nach etwa zwei bis vier Tagen sterben, umfasst ihr Lebenszyklus im Durchschnitt rund zwei Jahre im Larvenstadium. Als Larven machen Eintagsfliegen laut Schmitt bis zu 30 Häutungen durch - so viele wie keine andere Insektengruppe. Die meisten anderen Insekten häuteten sich nur vier bis acht Mal.

Das kurze Leben als Eintagsfliege dient dann tatsächlich nur der Fortpflanzung: „Das Vollinsekt ist nur da für Sex und Eierlegen.“ Denn die fertig entwickelte Eintagsfliege habe weder Mundwerkzeuge noch einen funktionsfähigen Darm. Bis sich die abgelegten Eier zur Nachfolgegeneration entwickeln, dauere es hingegen ziemlich lange - wobei die meisten Eier ohnehin gefressen würden, ehe es überhaupt zur Entwicklung der Junglarven komme.

Was unterscheidet die Eintagsfliege von der Fliege?

Und wie lassen sich Eintagsfliegen von „normalen“ Fliegen unterscheiden? Bei einer normalen Fliege seien die hinteren Flügel zu „Schwungkörbchen“ reduziert, erläuterte Schmitt. Bei der Eintagsfliege sei das nicht der Fall, wenn die Hinterflügel auch sehr viel kleiner als die Vorderflügel seien. Zudem hätten die Eintagsfliegen am Hinterleib drei längere Fortsätze. Fliegen wiederum hätten „wunderbar funktionierende Mundwerkzeuge“. Wer eine lästige Fliege erschlagen will, kann also prüfen, ob sie nicht ohnehin eine äußerst begrenzte Lebenserwartung hat. Denn trotz des ähnlichen Namens: „Eintagsfliegen sind näher mit Libellen verwandt als mit Fliegen“, sagte Schmitt.

„Für unser ‚Insekt des Jahres 2021‘ existiert glücklicherweise keine akute Gefährdung“, sagte der brandenburgischer Umweltminister Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen) nach einem vorab verbreiteten Text. Er ist Schirmherr des seit 1999 proklamierten „Insekt des Jahres“. Die Dänische Eintagsfliege, auch Große Eintagsfliege genannt, sei aber auf ökologisch intakte Gewässer mit ausreichendem Sauerstoffgehalt angewiesen.

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Eintagsfliegen existieren den Angaben zufolge seit rund 355 Millionen Jahren.„ Plakativ kann man sagen: Als die Dinosaurier aufgeblüht sind, waren die Eintagsfliegen schon wieder auf dem absteigenden Ast“, erläuterte Schmitt. Auch wenn Eintagsfliegen im Gegensatz zu den Dinosauriern bis in die Gegenwart ihr kurzes Leben leben. In Mitteleuropa gibt es heute etwa 140 Arten.