Hund Goaty schaut über das Tierasyl. Foto: Jacobs Ridge Animal Sanctury

Es sind Idyllische Bilder, die jeden Tag auf dem Instagram-Account des „Jacobs Ridge“-Tierasyls hochgeladen werden: Schon früh am Morgen springt der Jack Russel Django wie von der Tarantel gestochen über die Auffahrt des Hofes, während die Pferde ruhig in ihrem Gehege herumtrotten, die Ziegen blöken und die Katzen betteln um ihr Futter. Doch hinter diesen idyllischen Bildern steckten viele Stunden harte Arbeit – und traurige Geschichten.

Seit mehr als acht Jahren finden ausgemusterte, misshandelte und ausgesetzte Tiere auf einem Gelände in der Nähe der südspanischen Stadt Murcia ein Zuhause. Alles begann im Jahr 2011 mit einem Pferd namens Jacob, das die meiste Zeit seines Lebens an einen Baum gefesselt war und eine neue Heimat bekam. Offiziell gegründet wurde das Tierasyl, das nach seinem ersten Bewohner benannt wurde, aber erst 2015, als acht weitere Pferde dazukamen, die eigentlich geschlachtet werden sollten.

Inzwischen leben rund 140 Tiere – darunter vor allem Katzen, Hunde, Pferde, Ziegen und Schweine – auf dem Hof im Süden Spaniens. Betrieben wird der Hof hauptsächlich von Julian und Rachael. Beide stammen und Großbritannien und kommen eigentlich aus dem Schauspielbereich.

Doch über die Jahre haben sie sich alle Fähigkeiten angeeignet, die es braucht, um Tieren ein Zuhause zu bieten, wie sie dem KURIER berichten – und sie lernen jeden Tag dazu. Die wichtigsten Fähigkeiten dabei sind erste Hilfe für Tiere aber auch der Bau von Zäunen, erzählen sie. Gerade in dem Bereich hätten sie extrem viel gelernt. „Die ersten bestanden nur aus Bambusstäben und Schnur“, sagt Rachael. „Inzwischen sind die Zäune viel besser.“

Das liegt allerdings nicht nur an ausgeklügelter Technik, sondern auch daran, dass die beiden inzwischen einen Weg gefunden haben, Geld für das Tierasyl zu akquirieren. Denn staatliche Unterstützung bekommen die beiden nicht. Stattdessen haben sie eine Art Freiwilligen-Urlaubs-Programm gestartet.

Für rund 700 Euro pro Person bieten Rachael und Julian eine Woche in einem Glamping-Zelt inmitten ihres Tierasyls, drei vegane Mahlzeiten am Tag – und reichlich Arbeit mit den Tieren. So steht morgendliches Gassigehen mit den Hunden genauso an, wie das Füttern der Tiere auf den Koppeln, erklärt Rachael. Doch es bleibe auch genug Zeit, um im Pool zu schwimmen, Ausflüge zu machen oder einfach mit den Katzen zu kuscheln.

Durch dieses Programm waren Julian und Rachael in den vergangenen Jahren auch nie auf Spenden angewiesen. Doch die Corona-Pandemie trifft auch die Tierretter finanziell ins Mark. Denn das Freiwilligen-Programm kam wegen der Reisewarnungen für Spanien nahezu komplett zum Erliegen. „Wir mussten Spenden sammeln, um alles über Wasser zu halten“, sagt Rachael. Auch aktuell läuft auf der Homepage noch der Spendenaufruf. Denn wegen der aktuellen Corona-Zahlen scheint Tourismus in den kommenden Wochen und Monaten unmöglich.

Außerdem blieb ohne die Freiwilligen die ganze Arbeit in der Hitze Südspaniens an ihnen hängen. Und die ist nicht immer schön. Denn wer kranke Tiere aufnimmt, sieht diese auch immer wieder sterben. „Wenn Tiere es nicht schaffen, obwohl man all seine Liebe und Fürsorge in sie investiert hat, bricht es einem das Herz“, sagt Rachael. Den Instagram-Followern von „Jacobs Ridge“ wird vor allem der tragische Fall des kleinen Ferkels Graham aus dem vergangenen Sommer im Hinterkopf geblieben sein. Die Follower sahen es aufwachsen, im Waschbecken baden, Toastbrot fressen. Doch irgendwann, als es schien, als hätte er das Schlimmste überstanden, starb er.

Doch es gibt auch viele Erfolgsgeschichten in dem Tierasyl. Eine, die Rachael und Julian besonders gerne erzählen, ist die des Hundes Goaty, der seinen Namen bekam, weil er Ähnlichkeiten mit einer Ziege hat. Vor mehr als zwei Jahren fanden sie den Hund dehydriert, kraftlos und komplett abgemagert. Seine Rippen waren deutlich zu sehen. Eine war gebrochen, zudem hatte er einen Tumor, starke Verdauungsprobleme und Angst vor Männern, was auf Misshandlungen in der Vergangenheit hinweist. Auf „Jacobs Ridge“ bekam er Essen, Liebe und das vermutlich erste Spielzeug seines Lebens.

Wie gut es den Tieren auf „Jacobs Ridge“ geht, hat sich bereits in der Gegend herumgesprochen. „Jede Woche bekommen wir Anfragen, ob wir nicht ein neues Tier aufnehmen können“, erzählt Julian. Doch das gehe nicht immer. „Wir müssen abwägen, ob wir das finanziell schaffen“, sagt er. „Wir dürfen nicht unsere anderen Bewohner in Gefahr bringen.“ In solchen Fällen vermitteln er und Rachael die Tiere aber an andere Tierauffangstationen. „In Notfällen“, sagt er aber, „werden wir kein Tier wegschicken“.