Der Afroamerikaner Jacob Blake wurde von einem Polizisten angegriffen. Im ganzen Land – wie hier in New York – fordern Menschen Gerechtigkeit. Foto: Imago-Images/John Marshall Mantel

Siebenmal schoss ein Polizist in den USA aus nächster Nähe auf den Afroamerikaner Jacob Blake. Mehrere Kugeln trafen den 29-jährigen Familienvater vor den Augen seiner drei Kinder in den Rücken. Sein Anwalt teilte nun mit, dass sein Mandant vielleicht nie wieder laufen könne. Unterdessen setzt US-Präsident Donald Trump weiter auf eine Eskalation der Situation.

Der schwarze Bürgerrechtsanwalt Ben Crump, der Blake und seine Familie vertritt, teilte mit, dass der 29-Jährige von der Hüfte abwärts gelähmt sei. Einige Kugeln hätten die Wirbelsäule getroffen. „Es wird ein Wunder brauchen, damit er wieder laufen kann“, sagte Crump. Blake haben auch Verletzungen im Bauch, Nieren und Leber seien verletzt und ihm seien große Teile des Dickdarms und des Dünndarms entfernt worden.

Blakes Familie: Schwester Megan Beltcher, sein Vater Jacob Blake sr., seine Mutter Julia Jackson und seine Schwester Letetra Widman (v. l.). Foto: Imago-Images/Stacey Wescott

„Er schoss siebenmal auf meinen Sohn. Siebenmal!“, sagte Jacob Blake Senior auf einer Pressekonferenz am Dienstag (Ortszeit). „Als wäre er nichts wert. Aber er ist ein Menschen und er ist etwas wert.“ Starke Worte kamen von Blakes Schwester Letetra Widman: „Ich bin nicht traurig. Ich bin wütend und erschöpft. Ich habe nicht geweint. Ich habe vor Jahren aufgehört, zu weinen. Ich sehe seit Jahren, wie die Polizei Menschen, die wie ich aussehen, ermordet.“ Sie wolle kein Mitleid: „Ich will Wandel.“

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Seit dem erneuten Fall von rassistischer Polizeigewalt in den USA kommt es immer wieder zu Demonstrationen – nicht nur in Kenosha (US-Staat Wisconsin), dem Ort des Geschehens. In Kenosha kam es in der dritten Nacht in Folge zu teils gewaltsamen Ausschreitungen. Dabei wurden nach einem Bericht der „New York Times“ zwei Personen erschossen und eine weitere durch scharfe Munition verletzt. Die Hintergründe der Schießereien sind noch unklar. Möglich ist, dass ein Konflikt zwischen den Demonstranten und einer Gruppe bewaffneter weißer Männer dahinterstehe, die es sich laut dem Sender „CBS“ zur Aufgabe gemacht habe, „jegliches Eigentum in Kenosha zu schützen“. Details über die bewaffnete Bürgerwehr sind nicht bekannt. 

Mit Tränengas und Gummigeschossen gingen Polizei und Nationalgarde gegen die Demonstranten in Kenosha vor. Foto: AFP/Scott Olson

Der Gouverneur von Wisconsin, der Demokrat Tony Evers, rief nach den Ausschreitungen den Notstand aus und ordnete eine verstärkte Präsenz der Nationalgarde an. Präsident Donald Trump forderte ein schnelles Ende der Proteste und seinerseits den Einsatz, der längst im Einsatz befindlichen Nationalgarde. Schon bei Protesten in Portland setzte er auf eine Eskalationsstrategie, als er Truppen entsannte, die Demonstranten in nicht gekennzeichneten Fahrzeugen verschleppten.

Anders als der US-Präsident setzt Jacob Blakes Mutter auf Deeskalation. Auf der Pressekonferenz stellte sie sich gegen die Gewalt. Auch ihr Sohn wäre gegen die Ausschreitungen, sagte sie. „Wir brauchen Heilung.“