Viele Hoffnungen ruhen derzeit auf dem Medikament Remdesivir. Auch in Deutschland wurde es schon getestet. Ulrich Perrey (AFP)

Wir tun was in unserer Macht steht, um in der Corona-Krise Leben zu retten. Doch mehr als  zu Hause zu bleiben, Abstand zu halten und eine Maske zu tragen, können die allermeisten nicht leisten. Die größte Last müssen andere tragen: Ärzte und Pfleger in den Krankenhäusern – und den Wissenschaftlern in den Laboren. Wir können nur warten, bis sie einen Impfstoff oder ein Medikament entwickelt haben, das wirkt und gleichzeitig keinen Schaden anrichtet. Eine Nachricht aus Chicago lässt nun aufhorchen: Das Medikament Remdesivir könnte so ein Mittel sein.

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Eigentlich wurde Remdesivir vom US-amerikanischen Pharmaunternehmen Gilead Sciences für den Kampf gegen Ebola entwickelt. Eine Zulassung für diese Behandlung gab es allerdings noch nicht. Zwar hatte es keine Nebenwirkungen, war gegen Ebola aber nicht effektiv genug. Dennoch wurde dieses Medikament bereits früh im Kampf gegen Covid-19, die durch das neuartige Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit, getestet – offenbar mit Erfolg.

Laut einem Bericht der amerikanischen Onlineplattform für Medizinnachrichten „Stat“ bewährte sich das Mittel im Laufe einer Studie an der Uniklinik von Chicago, wo 113 Menschen mit Remdesivir behandelt wurden. Wie es auf der Plattform heißt, hätte die Anwendung des Medikaments zu einer schnellen Fiebersenkung und einem Rückgang der Symptome von Covid-19 geführt. Fast alle Patienten, die auf diese Weise behandelt wurden, seien innerhalb einer Woche aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Remdesivir schlug bereits im Labor am besten an

Remdesivir hat schon in einem frühen Stadium der Forschung Hoffnung gemacht, dass es gegen Covid-19 helfen könnte. Wie das Fachblatt „New England Journal of Medicin“ berichtete, habe ein erster Heilversuch im Januar bei einem amerikanischen Patienten bereits angeschlagen. Auch bei Zell-Experimenten konnte der Wirkstoff bereits überzeugen, wie der KURIER schon im März berichtete.

Doch viele Wissenschaftler, darunter auch Forscher der Chicagoer Uniklinik und des Herstellers Gilead selbst, bremsen die Euphorie. Teildaten aus einer laufenden Studie taugen nicht, um daraus Ergebnisse abzuleiten, warnen sie. Die Informationen über diese Erfolgsmeldungen seien ohne Erlaubnis veröffentlicht worden. Ergebnisse werde es frühestens Ende des Monats geben, teilte Gilead mit.

Auch in Deutschland wird Remdesivir getestet

Grund für die Vorsicht ist möglicherweise eine Veröffentlichung im „New England Journal of Medicine“ von vor einer Woche. Darin stellt Jonathan Grein, Epidemiologe aus Los Angeles, eine Studie von 53 Patienten (zwei aus Deutschland) vor, die mit Remdesivir behandelt wurden. Tatsächlich schlug es demnach bei zwei Dritteln der Patienten an. Sieben der Testpatienten verstarben allerdings in der Klinik.

Auch in Deutschland wird derzeit Remdesivir in zwei großen Studien, eine mit mittelschwer und eine mit schwer Erkrankten getestet. Mit Ergebnissen ist laut Karl Broich, dem Präsidenten des Bundesinstituts für Arzneimittel, allerdings erst in drei Monaten zu rechnen. Standards, so stellt er klar, werden auch in der Pandemie nicht abgesenkt.