Ein Mann versucht, seine Fingergelenke knacken zu lassen.
Ein Mann versucht, seine Fingergelenke knacken zu lassen. Marijan Murat/dpa

Die einen lieben es, sagen, dass es sie entspannt, andere zucken schon beim Geräusch mit Grausen zusammen: Beim Fingerknacken scheiden sich die Geister. Doch ist das absichtliche Ziehen und Knacken der Finger eigentlich gesund? Und woher kommen die Geräusche? Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen:

Warum knacken manche Menschen eigentlich mit den Fingern?

Absichtliches Fingerknacken ist nur eine Gewohnheit – einen physischen Grund dafür gibt es nicht. „Ein Gelenk drängt niemals danach, geknackt zu werden“, erklärte Matthias Schulz, Leiter der Handchirurgie im Helios Klinikum Berlint. In den Fingern gebe es grundsätzlich keine Spannungen, die durch Knacken gelöst werden müssen. Wenn es jemand dennoch als entspannend empfinde, handle es sich um eine reine Kopfsache. So kann sich bei manchen Personen aus dem Wohlbefinden sogar ein Tick entwickeln.

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Wer knackte am meisten mit den Fingern?

Um zu bestätigen, dass Fingerknacken nicht schädlich ist und das seiner Mutter auch zu beweisen, führte der Rheumatologe und Wissenschaftler Donald Unger einen Selbsttest durch. 60 Jahre lang knackte er mindestens zwei Mal jeden Tag die Finger seiner linken Hand, die rechte Hand verschonte er. Insgesamt überdehnte er in den ganzen Jahren seine Fingergelenke mehrere Zehntausende Male. Er ließ beide Hände nach dem Experiment röntgen – und es zeigte sich kein Unterschied. Bis heute konnten keine negativen Folgen des Knackens festgestellt werden. Dafür bekam er den alternativen Nobelpreis.

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Entweichende Luft aus Blasen erzeugt Geräusch beim Fingerknacken.
Entweichende Luft aus Blasen erzeugt Geräusch beim Fingerknacken. Marijan Murat/dpa

Bekommt man vom Fingerknacken Arthrose?

„Hör auf, mit den Fingern zu knacken – davon kriegt man Arthrose!“ Diese Warnung durfte sich wohl jeder schon anhören, der seine Finger durch Ziehen, Biegen oder Drücken zum Knacken bringt. Aber stimmt das eigentlich? „Es gibt dafür keinen Beweis“, sagt Jacqueline Detert von der Klinik für Rheumatologie und Klinische Immunologie an der Charité-Universitätsmedizin Berlin. „Knackende Finger können ein Begleitsymptom der Arthrose sein“, erklärt sie. „Ausgelöst wird die Arthrose dadurch nicht.“

Aber es gibt ein anderes Risiko: Um die Finger knacken zu lassen, muss man das Gelenk und die Bänder überdehnen. „Wer das mehrmals täglich macht, kann damit die Gelenke lockern.“ Lockern meint in diesem Fall nicht etwa Verspannungen lösen – sondern eher ausleiern. Gegensteuern lässt sich, indem man die Muskulatur kräftigt.

Die schlechte Studienlage lasse aber durchaus die Schlussfolgerung zu, dass es sich nicht um ein allzu großes Problem handele. „Wir hätten vermutlich bereits bemerkt, wenn Menschen, die ihre Gelenke knacken lassen können, häufiger Probleme mit diesen Gelenken haben“, sagte die Orthopädin Caroline Werkmeister, Leiterin des Athleticums am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

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Warum knacken eigentlich die Finger?

Seit Jahrzehnten rätseln Forscher, was das charakteristische Geräusch beim Fingerknacken auslöst. Nun untermauert eine mathematische Analyse die These, dass kleine Gasbläschen in der sogenannten Synovia-Flüssigkeit im Spalt zwischen den Gelenkknochen das Geräusch verursachen.

Das Gas ist normalerweise in der zähen Gelenkschmiere gelöst, wie Chandran Suja von der Stanford Universität (Kalifornien) und Abdul Barakat von der École Polytechnique in Palaiseau (Frankreich) im Fachjournal „Scientific Reports“ erläutern. Beim Auseinanderziehen entsteht demnach zunächst ein Unterdruck und es perlen Gasbläschen aus – ähnlich wie beim Öffnen einer Flasche Sprudel.

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Springen die Gelenkflächen dann auseinander, steigt der Druck plötzlich, wie Chandran Suja erklärt. In der Folge verkleinerten sich die Gasbläschen rasant, was wiederum zu Druckschwankungen führe. „Das ist das Geräusch, das wir hören.“ Zusammen mit Barakat berechnete Suja die möglichen Druckschwankungen mithilfe eines mathematischen Modells.

Bis zu 83 Dezibel könne das Knacken laut sein, erklären die Forscher. Danach verkleinerten sich die Blasen langsam weiter, das Gas werde wieder in der Synovia-Flüssigkeit gelöst – „ohne ein Geräusch zu machen“, wie Suja sagt. Dieser Vorgang könne rund 15 bis 20 Minuten dauern.