Kaum Menschen sind am Brandenburger Tor. Das liegt auch am noch immer geltenden Lockdown. Foto: Imago/Stefan Zeitz

Mit kleinen Schritten nähert wir uns in Deutschland dem Sieben-Tage-Inzidenzwert von 50. Und je näher wir dieser Marke kommen, umso mehr wird darüber debattiert, was wir wann und wie schnell öffnen können. Doch wer das tut, hat die Bedeutung dieses Werts nicht kapiert.

Denn der Wert, der im Sommer als magische Marke ausgerufen wurde, ist eine Ober- und keine Untergrenze. Er wurde definiert als der Punkt, ab dem die Nachverfolgbarkeit durch die Gesundheitsämter nicht mehr gewährleistet ist. Als absolute Obergrenze, ab der die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus unbedingt verschärft werden müssen.

Die 50er-Marke ist nicht der magische Punkt, ab dem wieder alle Beschränkungen fallen können. Das Niveau wäre so hoch, dass man innerhalb weniger Tage wieder bei einer deutlich höheren Inzidenz wäre – und im nächsten selbstverschuldeten Lockdown, weil wir es nicht abwarten konnten.

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Wir müssen den Wert weit unter 50 bekommen, damit wir nicht sofort wieder drüber landen. Wie weit? Das ist eine schwierige Frage, bei der sich auch Experten nicht einig sind. Zahlreiche Wissenschaftler fordern in der sogenannten „No-Covid“-Stategie die Inzidenz unter 10 zu drücken. Und Regionen, in denen das gelingt zu grünen Zonen zu erklären.

Andere Initiativen wie die „Zero Covid“-Kampagne fordern sogar den Lockdown in ganz Europa noch einmal zu verschärfen und auch auf die Arbeitswelt anzuwenden, um die Zahlen auf Null zu bekommen. Auch, um damit Mutationen, die sich möglicherweise auf die Wirksamkeit von Impfstoffen auswirken, in den Griff zu bekommen. Das Land Berlin hat sich eine Inzidenz von 30 als Marke gesetzt.

Ja. Wir sehnen uns alle nach Lockerungen. Nach Freunden, dem Sportverein, der Alten Försterei oder der Kneipe nebenan. Aber wenn wir zu früh aufmachen, werden wir alles schneller wieder schließen müssen als uns lieb ist.