Anna Sorokin, verurteilte Hochstaplerin aus Deutschland, im Gerichtssaal AP

Die Netflix-Serie „Inventing Anna“ über die deutsch-russische Hochstaplerin Anna Sorokin ist die Überraschung schlechthin, die Kritik stufte im Vorfeld die Miniserie nur als mittelmäßig ein – nicht gerade erfolgversprechend. Doch die Zuschauer sehen das anders.

„Inventing Anna“ (neun Teile) avancierte zur meistgesehenen englischsprachigen Serie in einer einzigen Woche. Schon nach den ersten drei Tagen nach Veröffentlichung wurde „Inventing Anna“ 77 Millionen Mal gesehen, in der Woche vom 14. bis 20. Februar sogar 196 Millionen Mal. Damit schlägt die von der Kritik verschmähte Serie den bisherigen Spitzenreiter „You – du wirst mich lieben“ (179 Millionen Streamingstunden).

Die Serien-Anna und die wirkliche Anna

Worum geht es? Anna Sorokin, geboren 1991 in der Nähe von Moskau, zog als Teenager mit ihren Eltern nach Deutschland und machte in Eschweiler bei Aachen Abitur. Alles andere als spektakulär.

Doch dann zog Sorokin über London und Paris nach New York, in der High Society Manhattans gab sie sich unter dem Pseudonym Anna Delvey als eine Millionenerbin aus und führte reihenweise die Menschen hinters Licht. Aus der kleinen Anna wurde einen große Betrügerin.

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Ihre Maschen: Mal gab sie an, ihre Kreditkarte vergessen zu haben, mal machte sie deutsche Feiertage oder die Zeitverschiebung für eine ausbleibende Überweisung verantwortlich, konnte sich sogar einen Flug mit einem Privatjet und einen Luxusurlaub nach Marokko erschleichen.

Anna Sorokin und ihre betrügerische Masche

Potenziellen Investoren erzählte sie von Plänen, einen ähnlichen Club wie das Soho House aufzubauen, der zugleich auch Kunstraum sei. Als sich die unbezahlten Hotelrechnungen häuften, Anna aus Hotels in Manhattan geflogen war und einige ihrer Freunde Verdacht schöpften, dass die reiche Erbin nur einfallsreich ist, klickten die Handschellen.

Nach monatelangen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurde Sorokin unter anderem wegen schweren Diebstahls, Überweisungsbetrugs, betrügerischen Kreditanträgen und Nichtbegleichung von Rechnungen im April 2019 vor Gericht gestellt und wegen Erschleichens von Leistungen in Höhe von 200.000 Dollar (175.000 Euro) zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.

Nach dem Urteil sagte Anna Sorokin: „Die Sache ist, es tut mir nicht leid. Ich würde Sie und alle anderen anlügen, wenn ich sagen würde, dass mir irgendetwas leidtun würde. Ich bedaure nur, wie ich bestimmte Sachen angegangen bin.“

Damals verfolgten viele Menschen die Geschichte der Hochstaplerin. Eine Story wie gemacht für eine Serie. Netflix zahlte 320.000 Dollar an Anna Sorokin, um ihre Geschichte zu verfilmen. Doch das Geld ist schon lange wieder weg. Kosten für Anwälte, 198.000 Dollar zahlte sie als Entschädigung.

Julia Garner spielt die Hauptrolle in „Inventing Anna“. Netflix

Produziert wurde „Inventing Anna“ von Shonda Rhimes („Grey’s Anatomy“, „Bridgerton“). Als Hauptdarstellerin hatte sich Sorokin Hollywood-Star Jennifer Lawrence gewünscht, die Rolle erhielt aber Julia Garner. Anna Chlumsky spielt die Journalistin Jessica Pressler, die sich auf die Spur von Sorokins Geschichte macht.

Nachdem sich Anna Sorokin bei einer Bewährungsanhörung einsichtig zeigte, wurde sie im Februar 2021 vorzeitig aus der Haft entlassen. Sie habe sich gewandelt: „Ich möchte nur sagen, dass ich mich wirklich schäme und es mir wirklich leidtut, was ich getan habe.“

Anna Sorokin reicht eine Sammelklage ein

Wenige Monate später wurde sie allerdings wieder festgenommen, weil ihr Visum ausgelaufen war, seitdem sitzt sie in einer Einrichtung der US-Einwanderungsbehörde ICE im Bundesstaat New York. Gegen eine Abschiebung nach Deutschland hat sie Einspruch eingelegt.

Anfang des Jahres hat sie sich mit Corona angesteckt und anscheinend Symptome von Long-Covid entwickelt. Nun verklagt sie die Behörde, weil sie eine gewünschte Booster-Impfung verweigert hätte. Mit drei weiteren Insassinnen, die auch erkrankt sind, reichte sie eine Sammelklage ein.

Unterdessen feiert ihr Serien-Alter-Ego weiter Erfolge. Eine Fortsetzung der Story ist schon geplant.