Eine Frau in Zeiten von Corona am Computer.  Foto: imago images/Ikon Images

In der Vergangenheit waren die Deutschen dafür bekannt, die digitalen Möglichkeiten vor allem für Online-Shopping und das Versenden von E-Mails zu nutzen. Durch das Coronavirus hat sich das Spektrum erweitert, wie aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen. Sie zeigen auch: Kommunikation per E-Mail und die Suche nach Informationen über Waren und Dienstleistungen blieben im Vergleich zum ersten Quartal 2019 auf einem konstant hohen Niveau.

Auch ist die Nutzung von Videochats und Online-Telefonie im ersten Quartal 2020 stark gestiegen. Zwischen Januar und März nutzten 68 Prozent der 67 Millionen Internetnutzer ab zehn Jahren solche Dienste, so das Bundesamt. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 59 Prozent.

Grafik: BK/Galanty; Quelle: Destatis

Menschen ändern ihr Verhältnis zur Digitalisierung

Das Interesse an Online-Nachrichten und digitalen Ausgaben von Zeitungen wuchs von 72 Prozent auf 77 Prozent.

Laut einer Umfrage, die der Digitalverband Bitkom im Juni durchführte, haben viele Menschen ihr Verhältnis zur Digitalisierung in den vergangenen Monaten geändert. Jeder Dritte (32 Prozent) steht der Digitalisierung seither offener gegenüber. Rund drei von vier Befragten (73 Prozent) bezeichnen die Digitalisierung als Chance.  Demgegenüber sieht jeder Vierte (25 Prozent) die Digitalisierung als Gefahr – 6 Prozentpunkte weniger als 2019.

Ein großes Thema ist durch die Corona-Krise noch größer geworden: Gesundheit. Im Netz suchten nach Bundesamt-Angaben Anfang 2020 71 Prozent nach Informationen – im Vergleich zu 68 Prozent im Vorjahreszeitraum. Auch der Branchenverband Bitkom hat sich mit diesem Thema beschäftigt. Ergebnis: Jeder Zweite (53 Prozent) sucht in Vorbereitung auf einen Besuch beim Arzt nach Infos zu seinen Symptomen im Netz.

Das Thema Gesundheit boomt

Frauen tun dies mit 61 Prozent häufiger als Männer (45 Prozent). Auch kam heraus, dass der Anteil derer, die sich dann im Anschluss an einen Arztbesuch Informationen zu Symptomen, der Diagnose oder verschriebenen Medikamenten im Internet oder per App einholen, auf 61 Prozent gestiegen ist – auch hier sind Frauen (64 Prozent) etwas stärker vertreten als Männer (59 Prozent).

„Im Netz gibt es heute zahlreiche Informationen zum Thema Gesundheit. Viele junge Unternehmen und Start-ups haben zudem innovative Apps entwickelt, mit denen sich Verbraucher mit hoher Genauigkeit über ihre Symptome und Therapien informieren können“, sagte Ariane Schenk, Bitkom-Expertin für E-Health.

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Laut Studie ist denjenigen Patienten, die nach einem Arztbesuch Informationen im Netz suchen, in erster Linie eine Zweitmeinung wichtig: Zwei Drittel (66 Prozent) nennen dies als Grund. 62 Prozent suchten online nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten. Erschreckend allerdings: Fast jeder Dritte (31 Prozent) gab an, die Erläuterungen des Arztes nicht verstanden zu haben. Jeder Fünfte (20 Prozent) konnte sich nicht mehr an alle Details aus dem Arztgespräch erinnern.

Über 70 Prozent kaufen online ein

Und was haben die Menschen in den vergangenen Monaten sonst noch im Netz gemacht? 73 Prozent der Internetnutzer kauften im ersten Quartal 2020 online ein. Davon bestellte sich zum Beispiel knapp ein Drittel Getränke und Essen von Restaurants oder Cateringservices nach Hause. Rund jeder fünfte Nutzer kaufte Lebensmittel und Getränke von Supermärkten über das Internet ein.

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Aber es ging in den vergangenen Monaten auch darum, in den eigenen vier Wänden nicht einzurosten. Nach dem Ausbruch des Coronavirus hat mehr als ein Viertel der Internetnutzer (26 Prozent) erstmals Online-Lernvideos geschaut, etwa auf YouTube oder Vimeo. Gut jeder Fünfte (22 Prozent) hat seitdem zum ersten Mal an Online-Sportkursen teilgenommen. Und mehr als jeder Sechste (17 Prozent) gab in einer Umfrage an, dass er mit Beginn der Pandemie erstmals Online-Seminare zur privaten Weiterbildung besucht habe, so das Ergebnis einer April-Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

Grafik: Berliner KURIER/Galanty; Quelle: trendmicro.com

Aber wo das Interesse steigt, nehmen oft auch die Gefahren zu: Aktuell greifen Kriminelle viel mehr Home-Router an als je zuvor, wie eine aktuelle Studie des Antiviren-Herstellers Trend Micro zeigt. Zwischen September und Dezember 2019 hat sich die Zahl verzehnfacht, von 23 auf 249 Millionen missbräuchliche Login-Versuche. In der Zeit des weltweiten Lockdowns im März registrierte das Unternehmen fast 194 Millionen solcher Angriffe. Die Experten gehen davon aus, dass die Verlagerung des Beruflichen ins Homeoffice damit zu tun hat. Nunmehr sind viele Firmendaten auch in Heimnetzwerken verfügbar.