Vegetarier sollten bei manchen Nährstoffen eine ausreichende Zufuhr sicherstellen. Foto: dpa/Benjamin Nolte

Wer kein Fleisch aß, erntete früher oft mitleidige Blicke – und musste sich im Restaurant mit Beilagen begnügen. Heute leben viele Menschen vegetarisch oder vegan, zumindest zeitweise. Unter den 15- bis 30-Jährigen sei der Anteil der vegetarisch oder vegan lebenden Menschen am höchsten. In dem Alter sei es hip, sich durch das Essen abzugrenzen, sagt Benedikt Jahnke vom Büro für Agrarpolitik und Ernährungskultur in Trier. „Die ‚Fridays for Future‘-Bewegung hat das Ganze noch mal gepusht.“

Nach Angaben von ProVeg ernähren sich 12 Prozent der Deutschen vegetarisch oder vegan. Der Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums beziffert deren Zahl auf sechs Prozent. Mehr als jeder zweite Deutsche bezeichnet sich als Flexitarier, verzichtet also gelegentlich bewusst auf Fleisch.

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Das macht sich auch im Supermarkt bemerkbar. Der Umsatz bei Fleischersatzprodukten wie vegetarischen oder veganen Würstchen, Schnitzeln und Frikadellen ist nach Angaben des Nürnberger Konsumforschungsunternehmens GfK in den vergangenen Monaten um mehr als 50 Prozent gewachsen. „Fleischersatzprodukte haben die Nische verlassen und werden inzwischen von weiten Teilen der Bevölkerung gekauft“, sagt GfK-Experte Robert Kecskes. Vor allem Flexitarier kauften diese Produkte. „Es ist für viele immer weniger ein Ersatz, sondern eine Bereicherung des Speiseplans.“

Aus medizinischer Sicht wäre es auf jeden Fall für viele Menschen ratsam, weniger Fleisch zu essen. „Wir haben einen sehr hohen Fleischkonsum“, sagt Hans Hauner. Er leitet an der Technischen Universität München den Lehrstuhl für Ernährungsmedizin. „Das kann negative Folgen haben, vor allem wenn man viele verarbeitete Fleischprodukte wie Wurst isst.“

Aber ob eine rein vegetarische Ernährung insgesamt gesund sei, kann so generell nicht beantwortet werden. Es gebe dazu laut Hauner bisher keine guten Studien. „Die wenigen Hinweise, die wir haben, sprechen aber durchaus dafür.“

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Vegetarier sollten bei manchen Nährstoffen eine ausreichende Zufuhr sicherstellen. Bei Vitamin B12 oder Jod könnte es beispielsweise durch eine vegetarische Ernährung etwas knapp werden. Unter Umständen müsse man sich laut Hauner bestimmte Nährstoffe gezielt zuführen. Vitamin B12 sei für Blutbildung und Nervensystem wichtig.

Für Menschen, die Probleme mit ihrem Körpergewicht haben und gerne abnehmen möchten, kann eine vegetarische Ernährungsweise aus Sicht des Experten sinnvoll sein. Ähnliches gilt für Typ-2-Diabetiker oder Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Aber man kann es nicht unbedingt pauschalisieren“, betont Hauner. Auch eine ausgewogene Ernährung mit wenig Fleisch und etwas Fisch sei gesund. „Es gibt kein Schwarz-Weiß, sondern fließende Übergänge.“