Der Fluss Bagmati in Nepal ist nach einem heftigen Monsunregen im Juli stark angeschwollen.  Foto: dpa/Niranjan Shrestha

Die Zahlen sind deutlich: Vier von fünf Naturkatastrophen weltweit sind nach einer Studie des Roten Kreuzes in den vergangenen zehn Jahren auf extremes Wetter und die Folgen der Klimakrise zurückgegangen. Dazu gehören Unwetter, Überschwemmungen und Hitzewellen. Das waren 83 Prozent aller Katastrophen, nach 76 Prozent in den zehn Jahren davor.

Dabei sind seit 2010 mehr als 410.000 Menschen umgekommen, wie die Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften am Dienstag in Genf berichtete. Hitzewellen forderten die meisten Opfer, gefolgt von Unwettern. Insgesamt seien rund 1,7 Milliarden Menschen in Mitleidenschaft gezogen worden, viele davon mehrfach. Sie verloren Angehörige, wurden verletzt oder verloren Wohnbauten, Vieh, Felder und Lebensgrundlagen, wie es in dem Bericht heißt.

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Während die Corona-Pandemie die ganze Welt beschäftigte, wurden nach Angaben der Föderation von März bis September mehr als 50 Millionen Menschen von mehr als 100 Katastrophen heimgesucht. Seit den 90er Jahren sei die Zahl der klima- und wetterbedingten Katastrophen in jedem Jahrzehnt um fast 35 Prozent gestiegen.

Ein Feuerwehrmann kämpft Ende Oktober gegen das Silverado-Feuer in Kalifornien. Foto: dpa/Jae C. Hong

Bei allem Einsatz zur Eindämmung des Klimawandels denke die Welt zu wenig an die Bedürftigsten, kritisiert die Föderation. Von den 20 am stärksten durch den Klimawandel gefährdeten Ländern sei keines unter den 20, die pro Kopf der Bevölkerung die höchsten Zuwendungen für Klimaanpassungen erhielten, so der Bericht. Das gefährdetste Land, Somalia, stehe in der Liste der Pro-Kopf-Empfänger auf Platz 71.

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Reiche Länder, die milliardenschwere Konjunkturpakete in der Corona-Pandemie schnürten, müssten dieses Versäumnis nachholen, fordert die Föderation. 50 Entwicklungsländer brauchten in den nächsten zehn Jahren 50 Milliarden Dollar (gut 42 Milliarden Euro), um sich für den Klimawandel zu wappnen. Das sei wenig im Vergleich etwa mit dem Corona-Aufbauplan der EU im Umfang von 750 Milliarden Euro. Investiert werden müsse in Frühwarnsysteme und Programme, die den schlimmsten Folgen der Naturkatastrophen vorbeugen können.

Durch wiederkehrende Dürreperioden verlieren Hirten in Somalia immer wieder Teile ihrer Herde. Foto: dpa/Badri Media

„Internationale Solidarität ist nicht nur eine moralische Verpflichtung“, sagte der Generalsekretär der Föderation, Jagan Chapagain. „Es ist auch die smarte Lösung. Es ist günstiger, in die Widerstandsfähigkeit der Menschen in den gefährdetesten Orten zu investieren als steigende Kosten für humanitäre Einsätze (nach Katastrophen) zu akzeptieren.“

Die Rotkreuz-Bewegung hat zwei Arme: das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und die Föderation. Das IKRK kümmert sich vorangig um Opfer von Kriegen und bewaffneten Konflikten und wacht über die Einhaltung des humanitären Völkerrechts. Die Föderation ist die größte Freiwilligen-Organisation der Welt mit fast 14 Millionen Helfern in aller Welt. Sie engagieren sich in 192 nationalen Gesellschaften. In Deutschland ist das das Deutsche Rote Kreuz mit fast einer halben Million freiwilligen Helfern.