Ein Patient wird in einem Krankenhaus in Italien künstlich beatmet. Foto: dpa/Claudio Furlan

Es sind vor allem junge Menschen, die die zweite Corona-Welle in Deutschland angetrieben haben. Dieses Bild spiegelt sich nun offenbar auch auch auf den Intensivstationen der Republik wieder, wie Stefan Kluge Direktor der Intensivmedizin am Hamburger Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) berichtet. 

Wie der Mediziner in einem Radiointerview mit dem Sender „Bayern 2“ sagte, unterscheide sich die Altersstruktur der Intensivpatienten deutlich von der im Frühjahr. „Wir betreuen mehrere Patienten deutlich unter 50 Jahren und teilweise ohne Vorerkrankungen.“

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Kluge, der auch Präsidiumsmitglied der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) ist, wies darauf hin, dass die Entwicklung bei der Zahl der Intensivpatienten der der Infizierten um mehrere Tage hinterherläuft: „In wenigen Tagen werden wir, was die Zahl der Krankenhauspatienten angeht, die erste Welle übertreffen. Und das ist besorgniserregend.“

Auch Ärztepräsident Klaus Reinhardt hat sich besorgt über die steigende Zahl an Corona-Patienten auf den Intensivstationen gezeigt. Besonders besorgniserregend sei, dass auch der Anteil älterer Patienten zugenommen habe. „Damit werden wir auch wieder mehr schwerere Verläufe und Todesfälle haben“, prognostiziert er. 

Noch 7300 freie Intensivbetten in Deutschland

Die Zahl der intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Fälle hat sich in den vergangenen zwei Wochen von 851 Patienten (19.10.) auf 2367 Patienten (3.11.) nahezu verdreifacht, wie die DIVI-Daten zeigen. Der bisherige Höchststand hatte bei 2933 am 18. April gelegen. In ganz Deutschland seien laut den Zahlen noch rund 7329 Intensivbetten frei. Gut 12.000 könnten innerhalb von sieben Tagen als Notfallreserve aufgestellt werden. 

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Doch ob genug Personal für die Anzahl der als frei gemeldeten Betten vorhanden ist, ist aktuell unklar. So zeigten Hinweise und Stichproben zeigten, dass mitunter auch Betten als frei gemeldet würden, für die gar kein Pflegepersonal verfügbar sei, wie DIVI-Präsident Uwe Janssens der dpa sagte. Das Ausmaß der fehlerhaften Meldungen sei jedoch unklar.