In dieser Anlage wird synthetisches Kerosin hergestellt. dpa/Sina Schuldt

Aktuell ist Fliegen ein echter Klimakiller! Nach Berechnungen des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums beträgt der Anteil der Luftfahrt am menschengemachten Klimawandel 3,5 Prozent. Doch es gibt eine Technologie, die von sich behauptet, bei der synthetischen Herstellung von Kerosin so viel bereits emittiertes CO2 in dem Treibstoff zu binden, wie im Anschluss wieder freigesetzt wird. So könnte tatsächlich ein klimaneutraler Kreislauf entstehen. Im Emsland wurde nun die weltweit erste Anlage zur Produktion dieses klimaneutralen Kerosins eröffnet.

Klimaneutrales Kerosin: So geht es

„Power to X“ lautet die Formel, die hinter dieser neuen Technologie steht. Das bedeutet: Unter dem Einsatz großer Energiemengen kann Wasserstoff per Elektrolyse aus Wasser herausgelöst werden. Der Wasserstoff wird dann mit Umgebungs-CO2 zu Kerosin verarbeitet – Kerosin ist hier das X. Wird das Kerosin am Ende im Flugzeug verbrannt, wird das CO2 zwar wieder freigesetzt, jedoch nicht mehr, als zuvor bereits aus der Luft gezogen wurde.

Im konkreten Fall der Anlage im Emsland kommt das für die Kerosin-Produktion notwendige CO2 neben der Umgebungsluft auch aus einer Biogasanlage. Der Strom, der in großen Mengen für die Produktion benötigt wird, soll ebenfalls klimaneutral von Windrädern in der Umgebung kommen. 

Klimaneutrales Kerosin: Merkel hofft auf Ausbau der Produktion

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) lobt die neue Anlage. „Für Deutschland und seine Partnerländer bietet diese neue Technologie große wirtschaftliche Chancen“, sagte sie bei der Eröffnung. Die per Video zugeschaltete Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte zudem an, dass die Produktionskapazitäten stark erhöht werden müssten, „um unser Ziel von 200.000 Tonnen grünem Kerosin jährlich bis 2030 zu erreichen“.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) bei der Eröffnung der Anlage im Emsland. dpa/Sina Schuldt

Aktuell sind die Produktionskapazitäten nämlich noch sehr begrenzt. Im ersten Quartal 2022 rechnet der Betreiber der Anlage, die gemeinnützige Firma Atmosfair aus Berlin, mit acht Fässern Rohkerosin am Tag. Das entspricht etwa einer Tonne. Wie wenig das bislang ist, zeigt folgender Vergleich: Ab 2026 müssen in Deutschland mindestens 0,5 Prozent des verwendeten Kerosins aus „Power to X“-Produktion stammen. Das wären jährlich 50.000 Tonnen davon ist die Anlage im Emsland noch weit entfernt. Ein erster Abnehmer für das grüne Kerosin ist die Lufthansa.

Übrigens: Nicht jede Kerosin-Produktion von „Power to X“-Kerosin ist am Ende auch wirklich klimaneutral. Das gilt nur, wenn wie im Emsland, der benötigte Strom aus erneuerbaren Energien kommt. Würde diese Anlage mit Kohlestrom betrieben, wäre wenig gewonnen.