Kleine Hunde leiden, weil Menschen miese Geschäfte machen wollen. Foto: imago stock&people

Sie haben große Kulleraugen, sind kuschelig-süß – und leiden oft Höllenqualen! Trotz großer Berichte und Kampagnen boomt er noch immer, der illegale Handel mit Hundewelpen. Durch die Grenzschließungen während der Corona-Zeit brachen die Geschäfte der skrupellosen Tier-Verkäufer ein (der KURIER berichtete). Doch eine große Untersuchung der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ zeigt: Inzwischen tauchen im Netz wieder immer mehr Angebote dubioser Züchter auf.

Die Tierschützer dokumentierten in den vergangenen Monaten im Rahmen einer großen Untersuchung Anzeigen auf Kleinanzeigenportalen im Netz. „Mit Beginn der coronabedingten Grenzschließungen Ende März gingen die Anzeigen für Hunde auf Online-Kleinanzeigenportalen in Deutschland bis Ende April um durchschnittlich 24,18 Prozent zurück, die Anzeigen für Welpenverkäufe fielen sogar um durchschnittlich 67 Prozent“, heißt es in den Ergebnissen.

Wehrlose Hunde werden durch die ganze Welt gekarrt

Doch kaum öffneten die Grenzen wieder, kam die große Chance der Welpenhändler. „In den ersten zwei Wochen nach den Grenzöffnungen Mitte Juni stieg die Anzahl der Welpenanzeigen auf eBay Kleinanzeigen um um 17,40 Prozent, auf Quoka um 11 Prozent an“, heißt es. „Für Trendhunderassen wie Mops und Zwergspitz nahmen die Hundeanzeigen sogar um 57,14 Prozent und 41,94 Prozent deutlich zu.“

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Bis Mitte August stieg die Anzahl der Hunde-Anzeigen auf den Internet-Portalen erneut um 7,66 Prozent. „Auf eBay Kleinanzeigen wuchs die Anzahl der Inserate für Welpen in den Wochen zwischen dem 26. Juni und dem 17. August um weitere 52,54 Prozent.“ Besonders dramatisch trifft es auch hier Trend-Hunderassen: Bei Französischen Bulldoggen stellten die Tierschützer in dem Zeitraum etwa einen Zuwachs von 91,1 Prozent fest! Und auch bei Labradoren, Chihuahuas und Zwergspitzen ging die Anzahl der Anzeigen drastisch nach oben. 

Dieser wehrlose Welpe wurde im Transporter eines Händlers bei Würzburg entdeckt. Foto: Tierheim Würzburg

Die Zahlen lassen aufhorchen – und aktuelle Beispiele bestätigen die Statistik. Gleich mehrere Fälle von aufgeflogenen Welpenhändlern gab es in den vergangenen Tagen. In Langenenslingen wurden etwa 67 Hunde bei einer dubiosen Züchterin beschlagnahmt. In Aalen fand die Polizei Welpen in einer Autowerkstatt. Das Problem: Die Tiere kommen aus Zucht-Fabriken in Ost-Ländern wie Bulgarien und Rumänien, werden dort unter fatalen Bedingungen gehalten, ihren Müttern zu früh entrissen und in Transportern durch die Welt gekarrt. Die Hunde leiden darunter – sie sind oft krank. Käufer fallen aufgrund der niedlichen Fotos auf die Händler herein, zudem werden die Tiere mit Aufputschmitteln behandeln, damit sie nicht kränklich wirken.

Die Welpen werden viel zu früh von ihren Müttern getrennt

Die Folge: Wer einen Welpen kauft, riskiert viele Tierarztbesuche und sogar den Tod des Tiers. Auch das Berliner Tierheim warnte bereits vor den illegalen Händlern (KURIER berichtete). „Tiere sind Lebewesen mit Gefühlen und Bedürfnissen“, sagt Annette Rost, Sprecherin des Tierschutzverein für Berlin. „Unterstützen Sie nicht die Machenschaften der illegalen Händler, sondern wenden Sie sich unbedingt an einen guten Tierschutzverein oder einen seriösen Züchter – auch wenn es auf diese Weise vielleicht länger dauert, bis Sie einen Hund bekommen.“

Bei Aalen erwischte die Polizei erst in der vergangenen Woche Welpenhändler, die die Hunde in einer Autowerkstatt verkauften. Foto: Polizei Aalen/dpa

„Unsere Analysen bestätigen sehr deutlich die hohe Bedeutung von Online-Plattformen im illegalen Welpenhandel“, sagt Daniela Schneider, Heimtier-Expertin bei „Vier Pfoten“. „Es wird höchste Zeit, dass die Bundesregierung konkrete Schritte zum Schutz der Tiere unternimmt! Das anonyme Anbieten von Tieren im Internet muss verboten werden. Mit einer Registrierungspflicht der Hunde könnte außerdem das Tier und damit die Drahtzieher zurückverfolgt werden. Das grausame Geschäft mit Hundebabys muss aufhören!“ Die Tierschützer haben dafür eine Modelllösung entwickelt. Sie sieht vor, dass nur identifizierbare, registrierte Nutzer ihre gechippten und in Registern erfassten Tiere verkaufen könnten. So wäre später auch eine Rückverfolgung kranker Tiere zu den jeweiligen Züchtern möglich.