Eine FFP2 Atemschutzmaske liegt auf einem Tisch in einer Apotheke. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

An niedergelassene Ärzte wurden nach Informationen des Bayerischen Rundfunks hunderttausende mangelhafte Schutzmasken geliefert. Mindestens 800.000 der im Frühjahr verteilten Masken wiesen Mängel auf oder entsprachen nicht den Anforderungen, wie eine BR-Anfrage an alle Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) laut einem Bericht ergab. Ein Teil der Masken sei vom Bundesgesundheitsministerium geliefert worden. Nach Aussage der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns war die Qualität der vom Bund gelieferten Waren demnach „teilweise sehr schwankend“. In Niedersachsen waren nach Angaben der zuständigen KV rund 400 Arztpraxen betroffen.

Gemeinsame Recherchen des BR mit der Rechercheplattform OCCRP und internationalen Partnermedien zeigten außerdem, dass europaweit Behörden Millionen von unsicheren Masken kauften. In vielen Fällen steckte offenbar Betrug mit Zertifikaten dahinter.Die Reporter haben dem Bericht zufolge mehr als hundert Zertifikate ausgewertet. Neben Fälschungen finden sich demnach vor allem irreführende Dokumente, die auch von europäischen Zertifizierungsstellen ausgegeben wurden. Dabei handelt es sich nicht um EU-Behörden, sondern um Firmen, die bestätigen können, ob importierte Produkte den europäischen Sicherheitsstandards entsprechen. Allerdings stellten demnach Firmen, die gar keine Schutzausrüstung zertifizieren dürften, wiederholt ungültige Zertifikate aus.

50 mangelhafte Schutzmaskenmodelle

Vor einigen der mit irreführenden Zertifikaten verkauften Schutzmasken wird inzwischen offiziell gewarnt, auch in Deutschland. Insgesamt listet die Rückruf-Datenbank der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin mehr als 50 mangelhafte Schutzmaskenmodelle auf. Das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung OLAF hat Ermittlungen eingeleitet. In Deutschland war dem Bundesgesundheitsministerium dem BR zufolge schon im April bekannt, dass Zertifikate mit „nur geringer Aussagekraft“ im Umlauf seien, wie es in einem Dokument heißt, das das Ministerium an Händler verschickte und das dem BR vorlag.

Das Ministerium lässt beschaffte Masken vom TÜV Nord stichprobenartig testen. In mehreren Fällen lieferte es demnach allerdings Masken aus, die vorher vom TÜV Nord beanstandet worden waren. Das Ministerium begründet diese Fehlzustellungen gegenüber dem BR unter anderem mit dem Zeitdruck der Pandemie-Situation. Die fehlerhafte Ware sei zurückgerufen worden.