Hugh Michael Jackman ist ein australischer Schauspieler, Filmproduzent und Sänger, der besonders als Wolverine in der „X-Men“-Filmreihe bekannt wurde.
Hugh Michael Jackman ist ein australischer Schauspieler, Filmproduzent und Sänger, der besonders als Wolverine in der „X-Men“-Filmreihe bekannt wurde. Rekha Garton/Sony Pictures Classics/AP

In seinem aktuellen Film „The Son“ spielt er einen Vater, der ohnmächtig mit ansehen muss, wie sein Sohn von seinen schweren Depressionen übermannt wird. Für Hugh Jackman ist die Thematik durch die Nachwirkungen der Corona-Pandemie relevanter denn je – da der 54-Jährige selbst Vater ist.

Hugh Jackman: Wir befinden uns in einer echten Krise, wenn es um psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen geht! Ich habe gerade einen Bericht gelesen, wonach bei den 15- bis 23-Jährigen jeder Vierte während der Pandemie Selbstmordgedanken hatte. Das muss man sich mal vorstellen! Covid hat Problematiken, die es bereits gab, für Kids noch verschärft.

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Was kann man dagegen tun?

Wir müssen Wege finden, darüber offen zu reden. Wir müssen uns eingestehen, wie hilflos wir als Erwachsene und Eltern sind. Mit wie viel Scham- und Schuldgefühlen diese Thematik behaftet ist. Und am besten, man fängt damit bei sich zu Hause an. Ich glaube, unser Film kann dabei ein Türöffner sein!

Sie sind Vater einer 17-jährigen Tochter und eines 22-jährigen Sohnes, die genau in die gefährdete Altersgruppe fallen …

… weshalb ich mit dem Thema auch offen umgegangen bin. Ich habe den Film zusammen mit meinen Kids geschaut und wir haben uns danach zusammengesetzt und sehr intensiv darüber geredet.

Hugh Jackman als Peter, Laura Dern als Kate und Zen McGrath als Nicholas in dem Film „The Son“.
Hugh Jackman als Peter, Laura Dern als Kate und Zen McGrath als Nicholas in dem Film „The Son“. epd

Wie sehr trägt auch Social Media eine Mitschuld daran, dass immer mehr Kinder an psychischen Problemen leiden?

Ich mache mir schon Sorgen darüber. Social Media isoliert die Kids am Ende oft, obwohl es offiziell dafür kreiert wurde, Menschen zu verbinden. Ich denke, man muss als Eltern einfach wachsam sein, dass es nicht überhand nimmt. Das Internet und die sozialen Medien können im gesunden Maße ein wundervolles Mittel sein, um informiert zu sein und verbunden zu bleiben.

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Im Film leiden Sie unter Schuldgefühlen, weil Sie glauben, als Vater nicht genug für den eigenen Sohn getan zu haben. Kennen Sie das auch?

Ich glaube, jeder Mensch, der Kinder hat, leidet gelegentlich an Schuldgefühlen. Hat Gedanken wie „Hätte ich noch mehr machen können?“ oder „Wie kann ich das wiedergutmachen?“. Viele von uns tragen selbst noch den inneren Schmerz und die Narben, die wir durch unser eigenes Verhältnis zu unseren Eltern davongetragen haben. So wie ich im Film als Sohn eines Vaters, der mich als Kind vernachlässigt hat.

Erwischen Sie sich manchmal dabei, dass Sie wir Ihr eigener Vater klingen?

Als mein Sohn geboren wurde, hat sich meine Frau immer darüber lustig gemacht, wie sehr ich mich plötzlich in meinen Vater verwandelt habe. Plötzlich wollte ich alles genau nach Plan machen, total organisiert sein. Mein Vater heißt Chris und sie hat dann immer gelästert „Oh, hi Chris Jackman“. Dann haben wir herzhaft darüber gelacht.

Vaterschaft ist also schwer.

Oh ja! Es heißt immer, Kinder zu haben, ist die schwerste Rolle, die man im Leben haben kann. Und das stimmt total! Nichts lässt deine Emotionen höherschlagen. Und manchmal fühlt man sich einfach nur hilflos, weil man seine Kids nicht immer erreichen kann.

Stimmt es eigentlich, dass Sie Regisseur Florian Zeller persönlich angerufen und um die Hauptrolle gebeten haben?

Nein! Ich habe ihm gemailt! (lacht). Ich hatte das Theaterstück gesehen und es hat mich tief berührt. Und als ich dann erfuhr, dass es eine Filmversion davon geben soll, hatte ich das tiefe Verlangen, mit dabei zu sein.

Wie haben Sie sich denn selbst angeboten? Hallo ich bin ein Star, darf ich mitspielen?

Ha, der ist gut. Nein! Ich habe Florian zuerst gefragt, ob er bereits einen Tanzpartner hat, weil ich mich niemals dazwischendrängen würde. Und falls nicht, dass ich unheimlich gerne die Rolle des Vaters übernehmen würde. Er hat mich dann am selben Tag zurückgerufen und ich habe den Part glücklicherweise besetzen dürfen.

Hugh Jackman mit seiner Ehefrau Deborra-Lee Furness und seinen beiden Kindern, Tochter Ava und Sohn Oscar. (Archivfoto)
Hugh Jackman mit seiner Ehefrau Deborra-Lee Furness und seinen beiden Kindern, Tochter Ava und Sohn Oscar. (Archivfoto) Imago Images/PicturePerfect

Haben Sie Ihre Kinder eigentlich mit in die Rollenvorbereitung mit einbezogen?

Ja. Ich habe meine Tochter gefragt, wie ich die hüftsteife Tanzszene am besten durchziehen sollte. Sie meinte nur: „Mach mal vor“. Und dann hat sie sich über mich totgelacht. Überhaupt machen sich meine Kinder gerne mal über mich lustig.

Im Film sagt der Psychiater zu Ihnen den Satz „Liebe reicht manchmal nicht aus“. Wie verstehen Sie dieses Zitat?

Dass mentale Probleme wie Depressionen eine Krankheit sind. Und dass alle Liebe, die man als Eltern aufwendet, dennoch manchmal nicht ausreicht, um seinem Kind helfen zu können. Das ist sehr hart.