„Die erzwungene Schwangerschaft eines Mädchens gilt als Folter“, so die Vereinten Nationen in einer Mitteilung. imago/Borislav Zhuykov

Der Fall spielt in Bolivien: 80 Prozent der Bevölkerung sind katholisch, die Kirche hat einen Einfluss, der hierzulande undenkbar wäre. Es geht um die Vergewaltigung eines Kindes, gerade elf Jahre alt. In einem Aufnahmezentrum der katholischen Kirche wurde dem Mädchen Hilfe versprochen.

Das Mädchen war bolivianischen Medienberichten zufolge von seinem Stief-Großvater vergewaltigt worden und wollte sich im fünften Schwangerschaftsmonat einer Abtreibung unterziehen. Nach einem Hilfsangebot der katholischen Kirche hätte die Familie jedoch die Meinung geändert, hieß es. Der regionale Vertreter des Ombudsmanns des Landes stellte das Verhalten der katholischen Kirche infrage.

„Die erzwungene Schwangerschaft eines Mädchens gilt als Folter“

Die katholische Kirche in dem südamerikanischen Land wies in einer Mitteilung zurück, eingeschritten zu sein, damit das Mädchen die Schwangerschaft fortsetze. „Die erzwungene Schwangerschaft eines Mädchens gilt als Folter“, hieß es jedoch in einer Mitteilung der Vereinten Nationen in dem Andenstaat am Mittwochabend (Ortszeit). Demnach drängte die UN auf den Schutz der Rechte von Mädchen, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind.

Zuvor hatte bereits der bolivianische Innenminister Carlos Eduardo del Castillo auf Twitter geschrieben: „Wenn ein elfjähriges Mädchen gezwungen wird, ein Kind zur Welt zur bringen, das Ergebnis einer Vergewaltigung ist, werden alle seine Rechte verletzt.“ Eine Abtreibung ist in Bolivien im Falle einer Vergewaltigung auch nach 13 Wochen Schwangerschaft legal.

In einem Jahr fast 40.000 Minderjährige schwanger

Bei Demonstrationen zum Recht auf freie und sichere Abtreibung in Bolivien in dieser Woche trugen Teilnehmerinnen unter anderem Banner, auf denen „Mädchen, keine Mütter“ stand. 39.999 Schwangerschaften bei Mädchen unter 18 Jahren wurden nach Angaben der Nichtregierungsorganisation „Casa de la Mujer“ in dem südamerikanischen Land im Jahr 2020 registriert.