Blick über den Grenzfluss Neiße auf die Pfarrkirche St. Peter und Paul in Görlitz, Deutschlands östlichste Zipfelstadt. Foto:  dpa / Sebastian Kahnert

In ostsächsischen Landkreis Görlitz geraten die Krankenhäuser wegen der Corona-Krise an ihre Grenzen. Ein einziges Intensivbett für Covid-19-Patienten war an diesem Donnerstag noch frei. Aktuell hat der Landkreis 29 Intensivplätze in seinen Kliniken zur Verfügung, die bis auf einen alle mit Covid-19-Patienten belegt sind. Das Altersspektrum der Patienten liege bei 48 bis 87 Jahren.

Patienten sollen nun in andere Krankenhäuser Richtung Leipzig, Dresden und Cottbus verlegt werden. „Es ist eine sehr angespannte Situation. Ärzte und Pflegepersonal leisten Übermenschliches“, sagt Jens Schiffner, der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis. Die Region gehört neben dem Landkreis Bautzen mit weit über 300 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche (Sieben-Tage-Inzidenz) zu Deutschlands Corona-Hotspots.

Pro Woche kommen derzeit 30 bis 40 Covid-Patienten dazu, die medizinische Versorgung in der Oberlausitz ist damit akut gefährdet.

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Keine Reserven mehr auf Intensivstationen 

„Unsere Krankenhäuser haben ihre Leistungen reduziert, um Personal für die Corona-Patienten freizustellen. OP-Säle und einzelne Stationen wurden geschlossen“, sagt Schiffner. Über 80 Prozent der Betten auf den normalen Covid-19-Stationen seien belegt, bei den Intensivbetten gebe es gar keine Luft mehr nach oben. Unfallopfer oder Patienten mit Herzinfarkt können nicht mehr intensivmedizinisch betreut werden.

Um Versorgungsengpässen entgegentreten zu können, wurden die ersten zehn Patienten in Kliniken nach Dresden, Cottbus und Freital verlegt. Weitere Transporte nach Leipzig sind im Gespräch. Aber auch im Nachbarlandkreis Bautzen sieht es nicht besser aus. Die Oberlausitz-Kliniken (OLK) haben sich aktuell mit einem Notruf an die Menschen gewendet. Ganzseitige Zeitungsanzeigen fordern „Helfen Sie bitte mit!“, um der weiteren Ausbreitung des Corona-Virus durch die Einhaltung der angeordneten Schutzmaßnahmen entgegenzuwirken.

Bundeswehr soll verstärkt helfen

Zudem hat die Verwaltung bei der Bundeswehr den Antrag zur Verlängerung der Amtshilfe gestellt. Statt derzeit 120 sollen in Kürze 160 Soldaten als Sanitäter, helfende Hände, Kontaktnachverfolger und in Abstrich-Teams in den sächsischen Kreis kommen.  „In Deutschland setzt die Bundeswehr rund 600 Sanitätssoldaten ein. Im Landkreis Görlitz sind davon derzeit 15 Prozent. Das zeigt die klare Schwerpunktsetzung“, sagt Oberstleutnant Eric Gusenburger. Nach seinen Angaben sind im Freistaat Sachsen 500 Soldaten für die Corona-Hilfe abkommandiert.

Auch die Landesärztekammer sieht durch das Corona-Infektionsgeschehen die medizinische Versorgung in Ostsachsen an der „Grenze der Belastbarkeit“, sagte Präsident Erik Bodendieck am Mittwoch in Dresden. Deshalb appelliert auch der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU) nochmals an die Einwohner, sich an die Corona-Regeln zu halten.

Auch Rettungsdienste sind wegen Coronainfektionen und Quarantäne in Not. So sind in Weißwasser 40 Prozent des Personals ausgefallen. Im örtlichen Klinikum werden derzeit ausschließlich Covid-19-Patienten behandelt, berichtet der MDR. „Wir schaffen den Klinikalltag nur noch mit Hilfe der Bundeswehr aufrechtzuerhalten“, sagte Martina Weber, eine Beigeordnete des Landkreises Görlitz.