Franka D. zeigt ein Fotos ihres dreijährigen Kindes, das sie seit zwei Monaten nicht gesehen hat. Foto: Gerd Engelsmann 

Sie sitzt auf der Bettkante in seinem Kinderzimmer und blickt traurig auf die Kuscheltiere und Spielautos, die seit zwei Monaten unverändert an ihrem Platz liegen. So lange schon hat Franka D. (33) ihren Sohn Tariq (3) nun schon nicht mehr gesehen. Die Familie wurde mitten in der Corona-Krise voneinander getrennt. Vater und Sohn hängen in Pakistan fest, die Mutter sitzt allein in der Dreizimmerwohnung in Eberswalde.

„Ich bin so verzweifelt. Mein Sohn und mein Mann fehlen mir so sehr“, sagt sie leise während sie gedankenverloren mit den Händen die Bettdecke ihres Sohnes glatt streicht. Wann sie ihre Familie wieder in die Arme schließen kann, weiß sie nicht. Das Schlimmste ist diese Ungewissheit, findet Franka D.

Am 10. März waren Vater und Sohn mit Turkish Airline in seine Heimat nach Pakistan geflogen. „Seine Mutter ist schon sehr alt und gebrechlich und es war ihr sehnlichster Wunsch, ihren Enkel noch einmal sehen zu können“, sagt sie. Den wollten sie ihr unbedingt erfüllen. Franka D. selbst konnte nicht mitreisen, da sie unter starker Höhenangst leide und sich den Langstreckenflug nicht zugetraut habe. Vater und Sohn wurden in der Ferne vom Ausmaß der Corona-Pandemie überrascht. Ihr Rückflug war für den 11. April, ebenfalls mit Turkish Airline gebucht, doch der bereits gezahlte Flug wurde gecancelt. Seitdem sitzt ein Teil der Familie in einem kleinen Dorf in der Nähe von Hafizabad fest.

Reisebüro: „Die Familie soll sich noch ein wenig gedulden“

Mutter und Sohn telefonieren jeden Tag gegen 16 Uhr Mitteleuropäischer Zeit miteinander per Whatsapp-Videoanruf miteinander. „Ich möchte, dass er seine Mutter wenigstens sehen kann. Er ruft ständig „Mama komm“ und kann ja noch nicht verstehen, dass ich das nicht einfach kann“, sagt Franka D. Jegliche Versuche mit der Airline Kontakt aufzunehmen, um zu erfragen, wann wieder ein Ersatzflug nach Berlin geht und ob man ihnen nicht wenigstens das Geld zurück überweisen könne, seien gescheitert. Der KURIER fragte selbst bei der Airline an, aber erhielt bislang keine Antwort. Ein Mitarbeiter des Berliner Reisebüros, über das die Familie den Flüge für 1600 Euro gebucht hatte, teilte dem KURIER aber mit: „Die Familie soll sich noch ein wenig gedulden. Die Büros von Turkish Airline haben bis zum 20. Mai geschlossen. Danach könnte der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden.“ Doch ganz sicher ist das nicht.

Derzeit gehen auch Flüge anderer Airlines nach Deutschland, doch die sind preislich für die Familie momentan fernab ihrer finanziellen Möglichkeiten. Franka D. erhält Grundsicherung, ihr Mann ist in einem indischen Restaurant tätig und hat wegen seines längeren Zwangsurlaubs Verdienstausfall.

Lesen Sie auch: Gefangen im Liebesurlaub in Marokko >>

„Wir waren schon sehr froh, dass die Mutter meines Mannes die Kosten übernommen hat“, sagt Franka D. Wegen ihrer schwierigen finanziellen Situation käme für sie auch keine Rückholaktion der Bundesregierung infrage, da sie die Kosten ebenfalls selbst tragen müssten. Der KURIER fragte beim Auswärtigen Amt nach, ob es eine Möglichkeit gebe, der Familie zu helfen, doch dort wollte man sich zum Einzelfall nicht öffentlich äußern. Aus Diplomatenkreisen hieß es, dass die Familie sich auch an eine der Auslandsvertretungen vor Ort wenden könne und sich dort über Ausreisemöglichkeiten beraten zu lassen.

Franka D. sagt, sie habe sich noch nie so allein und einsam gefühlt, wie jetzt in den Corona-Zeiten. „Ich vermisse es so wahnsinnig, mein Kleinkind fröhlich jauchzend durch die Wohnung laufen zu sehen“, so die Mutter. Sie habe auch Sorge, dass sich die Ausgangsbeschränkungen noch einmal wieder verschärfen könnten, wenn die Infektionszahlen weiterhin steigen. Sie sagt: „Ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, die gerade ein Schicksal zu meistern hat und deshalb mag ich auch nicht jammern. Trotzdem wünsche ich mir im Moment nichts mehr, als dass meine Familie bald wieder zurück kommt.“