Alltagsmasken hängen zum Trocknen auf einer Wäscheleine. Foto: Jdidi Wassim

Seit Beginn der Corona-Krise sind sie für die meisten Menschen zu einem festen Accessoire geworden: Die Masken. Seien es bunte, selbst genähte Mund-Nase-Bedeckungen oder einfache, medizinische OP-Masken mit einem Filter. Sie sind aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken – und das aus einem guten Grund: Sie schützen unsere Mitmenschen vor umherfliegenden Tröpfchen und teilweise auch vor Aerosolen. Zudem gibt es eine Analyse, die zeigt, dass mit dem Tragen einer Maske auch eine eigene Infektion verhindert werden kann – und jetzt glauben Forscher, dass die Masken sogar dabei helfen könnten, die Gesellschaft gegen das Coronavirus zu immunisieren.

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Die Vermutung der Forscher: Weder eine OP-Maske noch ein selbstgenähter Mundschutz geben dem Träger 100 prozentigen Schutz vor dem Coronavirus. Allerdings, so die Hypothese, sei die Menge der Viruspartikel, die den Menschen durch die Maske erreichen, so gering, dass es womöglich nur zu einer leichten oder gar asymptomatischen Infektion kommen würde. So könnte das Tragen von Masken die Immunisierung der Bevölkerung unterstützen, schreiben Monica Gandhi und George W. Rutherford von der University of California in San Francisco im Fachblatt „New England Journal of Medicine“.

Das Tragen eines Mundschutzes könnte die Corona-Pandemie nach Ansicht von Forschern auf zwei Arten bekämpfen. Foto: dpa/Christoph Soeder

Die beiden Forscher schreiben weiter, dass seit Einführung der Maskenpflicht die Zahl der leichten und symptomfreien Infektionen vielerorts anstieg. Letztendlich überprüft ist die Hypothese jedoch noch nicht, schreiben Gandhi und Rutherford. Dafür bedürfe es mehr Studien, in denen die Schwere von Infektionen in Gebieten mit und ohne Maskenpflicht verglichen wird. Zudem bedürfe es mehr Studien zur Immunantwort der T-Zellen. 

Immunisierung durch Maske? Kollegen sind skeptisch

Auch wegen der dünnen Datenlage ist diese Hypothese nicht unumstritten. Einer der Kritiker ist Julian Schulze zur Wiesch, Infektiologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Der österreichischen Zeitung „Der Standard“ sagte er: „Es kann viele Gründe geben, die dazu führen können, dass mehr Patienten einen leichten oder asymptomatischen Verlauf haben.“ Als Beispiel nannte er vermehrtes Testen, sowie den gesunkenen Altersschnitt bei den Infizierten.

Auch Melanie Brinkmann, Virologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, zeigte sich der Zeitung gegenüber skeptisch. Der Artikel basiere „auf zwei Annahmen, die wissenschaftlich für Sars-CoV-2 noch nicht belegt sind“, sagte sie. Man wisse erstens noch nicht, ob eine geringere Dosis an Virus tatsächlich weniger starke Symptome auslöst und zweitens, ob nach milden oder asymptomatischen Infektionen wirklich ein langlebiger Immunschutz besteht.

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Gandhi und Rutherford kommen dennoch in ihrem Artikel zu dem Schluss, dass das Tragen von Masken sowohl bei der Eindämmung als auch bei der Bekämpfung der Pandemie eine wichtige Rolle spielen kann. Ob sie Recht haben, wird wie so oft in dieser Zeit die Zukunft zeigen.