Der Konzern Rio Tinto trennt sich von seinem CEO. Foto: Imago-Images/Xinhua

Es war ein Ausdruck entfesselter Profitgier, der Ignoranz und Respektlosigkeit: Im Mai hatte der australisch-britische Bergbaukonzern Rio Tinto zwei Kultstätten australischer Ureinwohner in die Luft gesprengt, um dort Eisenerz abzubauen. Nach einem Sturm der Entrüstung muss nun der Unternehmenschef gehen. Allerdings will er sich noch Zeit lassen.

Am Freitag teilte Rio Tinto mit, dass CEO Jean-Sébastien Jacques seinen Posten räumen wird. Die Suche nach einem Nachfolger läuft. Spätestens im März 2021 soll aber für ihn Schluss sein. Der Entschluss zur Trennung sei laut Mitteilung im gegenseitigen Einvernehmen getroffen worden. Die anderen beiden Führungskräfte würden Ende des Jahres gehen.

Die Juukan-Schlucht: Hier lagen die heiligen Stätten der Aborigines, die von Rio Tinto gesprengt wurden. Foto: AFP/PKKP Aboriginal Corporation

Mit dem Schritt reagiert der Konzern auf die Sprengung von zwei bedeutenden Stätten der Aborigines in der Juukan-Schlucht zur Gewinnung von Eisenerz im Mai dieses Jahres. In den Höhlen in der westaustralischen Region Pilbara hatte ein Archäologe 2014 wichtige Artefakte gefunden, darunter einen 28.000 Jahre alten Känguru-Beinknochen, der in ein spitzes Werkzeug verwandelt worden war, sowie einen 4000 Jahre alten Gürtel aus menschlichem Haar.

Die Aborigine-Stätten waren mindestens 46.000 Jahre alt

Das Alter der beiden Stätten war auf 46.000 Jahre geschätzt worden, manche sprachen sogar von rund 48.000 Jahren. Ihre Zerstörung hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst und zu einer parlamentarischen Untersuchung geführt. Der Unesco-Vorsitzende für Kulturgüterschutz, Peter Stone, hatte die Sprengung als „Tragödie“ und eine der schlimmsten Kulturgüterzerstörungen der jüngeren Geschichte bezeichnet. Stone verglich sie mit der Zerstörung der syrischen Oasenstadt Palmyra durch die Terrormiliz „IS“.

Demonstranten protestieren im Juni in der australischen Stadt Pearth gegen Rio Tinto. Foto: Imago-Images/Richard Wainwright

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„Was in Juukan passiert ist, war falsch“, räumte Rio Tinto ein. Der Konzern werde sicherstellen, dass die Zerstörung eines Kulturerbes von derart außergewöhnlicher archäologischer und kultureller Bedeutung seitens des Unternehmens nie wieder vorkomme. Im August hatte der Vorstand nach den Protesten bereits die Boni der drei Spitzenmanager gekürzt.

Jean-Sebastien Jacques tritt spätestens zum 31. März zurück. Foto: Imago-Images/Xinhua

Der Chef des Rates für Rechtsansprüche der Aborigines (NNTC), Jamie Lowe, begrüßte die Entscheidung. Damit zeige der Rio-Tinto-Vorstand, dass er bereit sei, „den entscheidenden ersten Schritt in Richtung Rechenschaftspflicht zu tun“. Die Kürzung der Prämien sei keine ausreichende Maßnahme gewesen. Der Rücktritt der Top-Manager sende hingegen „eine starke Botschaft an den gesamten Bergbausektor“.

Der australische Staat ist für Rio Tinto wegen des Eisenerzvorkommens enorm wichtig. Im ersten Halbjahr steuerte das Eisenerzgeschäft mehr als 90 Prozent zum Gewinn des Unternehmens bei. Das Unternehmen wurde 1873 gegründet und ist eines der größten Bergbauunternehmen der Welt. Neben Eisenerz fördert Rio Tinto unter anderem auch Aluminium, Gold, Kupfer und Diamanten.