Die Schauspieler Johnny Depp und Amber Heard, einst miteinander verheiratet, lieferten sich einen heftigen Rosenkrieg. Jetzt gibt es ein Urteil in dem Verleumdungsprozess vor einem Gericht im Bezirk Fairfax im US-Bundesstaat Virginia. afp/pool/Jim Watson

Im Verleumdungsprozess zwischen Hollywood-Star Johnny Depp und seiner Ex-Ehefrau Amber Heard hat sich die Jury größtenteils auf die Seite von Depp gestellt - aber auch Heard in einigen Punkten recht gegeben.

Am Mittwoch teilten das die sieben Geschworenen der Richterin Penney Azcarate vor Gericht im Bezirk Fairfax im US-Bundesstaat Virginia mit. Zuvor hatte sich die Verkündung des Urteils verzögert, weil die Jury den von ihr als angemessen betrachteten Schadenersatz nicht auf dem entsprechenden Formular eingetragen hatte.

Beide müssen Schadenersatz zahlen

Die Jury sprach Depp Schadenersatz in Höhe von zehn plus fünf Millionen Dollar zu, letztere Summe reduzierte die Richterin aufgrund entsprechender Regulierungen im Bundesstaat Virginia auf 350.000 Dollar. Heard sprach die Jury Schadenersatz in Höhe von zwei Millionen Dollar zu. Letztendlich muss Heard dem Urteil zufolge folglich 8,35 Millionen Dollar (knapp 8 Millionen Euro) an Depp zahlen. Eine Berufung in dem Fall gilt als wahrscheinlich.

Heard verfolgte die Urteilsverkündung ganz in Schwarz gekleidet vor Gericht. Depp zeigte sich nicht. Vor dem Gericht hatten sich zahlreiche Schaulustige und Fans vor allem von Depp versammelt, die nach dem Urteil in Jubel ausbrauchen und „Johnny, Johnny“ riefen.

So bewertet ein Gerichtsexperte das Urteil

Gerichtsexperte Dan Abrams sagte bei „Law & Crime“: „Es ist ein unglaublicher Sieg auf der ganzen Linie für Johnny Depp. Sie haben ihm geglaubt, dass er das Opfer war und Amber Heard gelogen hat. Es ist eine Schmach auf der ganzen Linie – trotz der 2 Millionen Dollar Schadensersatz in einem der Punkte.“

Anwälte sprechen von Gewalt, Lügen und Drogen

Zuvor hatten sich Depp (58) und Heard (36) in dem Verleumdungsprozess sechs Wochen lang gegenseitig mit schweren Vorwürfen überzogen - über Kameras per Livestream in alle Welt verbreitet. In ihren Abschlussplädoyers hatten die Anwälte beider Seiten dann noch einmal heftige Anschuldigungen von sexuellem Missbrauch, körperlicher Gewalt, Lügen und Drogenexzessen vorgebracht.

Der „Fluch der Karibik“-Star hatte Heard in seiner Zivilklage beschuldigt, in einem 2018 von der Washington Post veröffentlichten Kommentar zum Thema häusliche Gewalt falsche Aussagen gemacht zu haben. Dies hätte seinem Ruf geschadet. Wegen Verleumdung hatte er 50 Millionen Dollar (gut 46 Millionen Euro) Schadenersatz gefordert. Heard pochte in ihrer Gegenklage auf 100 Millionen Dollar. Sie machte geltend, dass Depps Ex-Anwalt Adam Waldman mit einer Schmutzkampagne ihrem Ansehen geschadet habe.

Der bittere Rosenkrieg tobt schon seit Jahren. 2016 hatte Heard nach nur 15 Monaten Ehe die Scheidung eingereicht. Sie warf dem Hollywood-Star häusliche Gewalt vor.

Das sagen Johnny Depp und Amber Heard zu dem Urteil

Nach dem Urteil bedankte sich Hollywood-Star Depp bei der Jury und seinem Anwaltsteam. „Diese Jury hat mir mein Leben zurückgegeben“, hieß es in einer Mitteilung von Depp am Mittwoch. „Das Ziel, diesen Prozess voranzubringen, war von Anfang an, die Wahrheit ans Licht zu bringen - egal wie es ausgehen würde. Die Wahrheit zu sagen war etwas, was ich meinen Kindern und all denjenigen, die mich immer unterstützt haben, geschuldet habe. Jetzt wo ich das geschafft habe, fühle ich einen inneren Frieden in mir.“ Für ihn habe nun ein neues Kapitel in seinem Leben begonnen. „Das Beste kommt erst noch.“

Amber Heard äußerte sich zutiefst enttäuscht über das Urteil. „Die Enttäuschung, die ich heute fühle, kann man nicht in Worte fassen“, schrieb Heard am Mittwoch via Kurznachrichtendienst Twitter. Dass die Jury ihr trotz eines „Bergs an Beweisen“ größtenteils nicht geglaubt habe, breche ihr Herz. Zudem sehe sie das Urteil als einen „Rückschritt“ für andere Frauen in ähnlicher Situation.

„Ich bin traurig, dass ich den Prozess verloren habe. Aber ich bin noch trauriger, dass ich anscheinend ein Recht verloren habe, von dem ich davon ausgegangen war, dass ich es als Amerikanerin habe - frei und offen zu sprechen.“