Ein Arzt aus dem Allgäu will sich nicht mehr mit Ungeimpften herumärgern. Imago/Christian Ohde

Paul Offenberger ist Allgemeinmediziner in der Gemeinde Waltenhofen im Oberallgäu. Dort kümmert er sich um die üblichen Krankheiten, mit denen Patientinnen und Patienten zum Hausarzt kommen. Auf der Bewertungsplattform Jameda hat er meist gute Bewertungen – und so war es bis vor einigen Tagen auch bei Google. Doch dort kamen zuletzt immer mehr 1-Sterne Bewertungen hinzu. Kommentare wie „Systemling“ zeigen, sie kommen aus dem Querdenker-Milieu und haben zum Ziel, die Reputation des Mediziners zu zerstören. Der Grund? Paul Offenberger hat jüngst klargestellt, nur noch geimpfte Patienten behandeln zu wollen.

Darum will der Hausarzt keine Ungeimpften mehr behandeln

So schreibt der Hausarzt, der seit 35 Jahren in Waltenhofen als Allgemeinmediziner arbeitet, auf seiner Website: „Meine Geduld mit Ungeimpften neigt sich dem Ende zu. Ich bin der fruchtlosen Diskussionen der Impfgegner leid und werde sie nicht mehr behandeln.“ Notfälle und Erst-Impftermine seien von dieser Regel ausgenommen. Das sei ihm wichtig, sagte er auch dem BR. In Notsituationen werde er immer helfen. 

Eine Spritze mit Impfstoff wird aufgezogen. dpa

Lesen Sie auch: Biontech in Berlin jetzt nur noch für Schwangere und Jüngere: DAS passiert jetzt mit bereits gebuchten Terminen im Impfzentrum >>

„Alle meine Waltenhofener Kassenarztkolleg-inn-en sind in diesem Punkt solidarisch mit mir. In Kempten gibt es genügend nicht impfende Ärzte, die solche unbelehrbaren Patienten wohl gerne übernehmen. Die Blockierung der Intensivstationen (die schon zu Triagesituationen führen!) durch überwiegend Ungeimpfte Covid-19-Patienten zwingen mich zu dieser bedauerlichen Maßnahme, aber alle vernünftigen Patienten, deren Operationen verschoben werden müssen oder die Angst vor einem Unfall oder Herzinfarkt mit mangelnder Versorgungsmöglichkeit haben, werden es mir danken“, schreibt der Mediziner und wirbt direkt damit, dass es in seiner Praxis schnelle, unbürokratische Impftermine gebe. 

Hausarzt Offenberger: Nur Impfungen bringen uns aus der Pandemie

„Die einzige Möglichkeit, der Pandemie zu entkommen, ist eine weitgehende Durchimpfung der Bevölkerung“, schreibt der Arzt auf seiner Homepage und preist den Impfstoff von Biontech an. „Der alleinige noch von uns verwendete Impfstoff Comirnaty der deutschen Firma Biontech ist sicher, zuverlässig, nebenwirkungsarm und vertrauenswürdig (da weltweit bereits milliardenfach ohne gravierende Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen bei extrem seltenen Ausnahmen angewandt).“

Lesen Sie auch: B.1.1.529: Gefährdet die neue südafrikanische Mega-Mutation jetzt das Dschungelcamp? So ist die Lage und DAS sagt RTL! >>

Impfgegner zeigen auf ihren Demos immer wieder auch ihre antisemitische Seite. Imago/aai.photo

Lesen Sie auch: Leicht zu fälschen – Wird das gelbe Impfheft jetzt zum Auslaufmodell? >>

Diese klare Kante kam natürlich in der Impfgegner-Szene gar nicht gut an, auch bei solchen, die schon lange zum Patientenstamm des Mediziners zählen. Es setzte bereits einen heftigen Shitstorm. „Da sind Patienten dabei, die ich seit fast 35 Jahren betreue, ganz liebe Leute, die aber in diesem entscheidend vitalen Punkt mir das Vertrauen nicht mehr geben,“ sagte Offenburger dem BR. „Und dann kann ich die Arzt-Patienten-Beziehung nicht mehr aufrechterhalten, weil die zerrüttet ist.“ Und ein zerrüttetes Verhältnis, sagt er, sei eben ein Grund, die Behandlung der Patienten zu verweigern – außer natürlich, es handelt sich um einen Notfall.

Hausarzt über Ungeimpfte: „Muss mir das nicht mehr anhören“

Gegenüber RTL zählt Mediziner Offenberger noch zwei weitere Argumente auf, die zum Behandlungsstopp für Ungeimpfte auf sich hat. Zum einen trügen die ungeimpften Patienten ein höheres Risiko das Virus in die Praxis zu tragen und andere Patienten oder auch den Mediziner selbst (er ist 69 Jahre alt) zu gefährden. Zum anderen sagt er dem TV-Sender: „Ich muss mir das nicht mehr anhören. Das ist ja fast unsäglich. Die nehmen mir die Zeit weg, diese Patienten mit ihrer Überzeugungswut von pseudo-medizinischen Argumenten. Das geht von der Alchemie über Verschwörungstheorien bis zu pseudo-religiösen Argumenten, von wegen dieser Impfstoff käme von Föten oder Embryonen, die illegal abgetrieben worden sind aus Schweden.“

Lesen Sie auch: Fall Maddie McCann: Jetzt spricht die Ex des Verdächtigen Christian B. – DAS hat er ihr über das Verschwinden des Mädchens verraten >>

So klar Offenberger seine Argumente formuliert, so schwer hat er sich die Entscheidung einst gemacht. „Ich habe Tage und Nächte lang gebrütet über diese Frage, habe mich auch vom ärztlichen Kreisverband rückversichern lassen“, erklärte er RTL. Diese Entscheidung ist unumstößlich, ganz egal wie schlimm der ohnehin schon heftige Shitstorm noch wird.