Ob Kannibale, Diener, Präsident oder Künstler – Anthony Hopkins kann alles spielen.
Ob Kannibale, Diener, Präsident oder Künstler – Anthony Hopkins kann alles spielen. Sony Pictures Classics via AP/Jessica Kourkounis

Es ist nicht nur der ritterliche Titel „Sir“, der dem Briten Anthony Hopkins eine gewisse Respektabilität verleiht. Bewundert wird der zweifache Oscar-Preisträger für seine geniale Darstellung von bedeutenden Figuren wie Pablo Picasso, Alfred Hitchcock, Papst Benedikt oder Richard Nixon – gefürchtet für sein eiskaltes Porträt des psychopathischen Killers Hannibal Lecter. Da überrascht es, wie locker und witzig der Leinwandstar in den sozialen Medien rüberkommt.

Hopkins, der an Silvester 85 Jahre alt wird, postet fetzige Tanz-Videos auf Instagram, demonstriert immer noch gelenkige Hüftschwünge, Salsa-Schritte oder Rap-Moves. „Sonntagsvibes“ schrieb er im Oktober zu einem Clip in der Küche, augenrollend und Grimassen schneidend tänzelt er zu dem Song „Distant Star“. 1986 hatte der Schauspieler das Liebeslied als Single herausgebracht.

Mitte Dezember zeigte er sich seinen knapp vier Millionen Followern am Flügel mit einer Kostprobe seiner eigenen klassischen Komposition, die er auch in dem Film „Die zwei Päpste“ spielte. „Mit Liebe ... es ist Sonntag und ich fühle mich gut“, schrieb das Multitalent zu dem Video.

Der britische Schauspieler Sir Anthony Hopkins kommt mit seiner Frau Stella zur Premiere von „The Wolfman“ in Los Angeles.
Der britische Schauspieler Sir Anthony Hopkins kommt mit seiner Frau Stella zur Premiere von „The Wolfman“ in Los Angeles. EPA/dpa/Nina Prommer

In seinen Social-Media-Accounts stellt sich Hopkins als „Künstler, Maler, Komponist, Schauspieler in Film, Bühne und Fernsehen“ vor. „Alter definiert mich nicht. Mit 84 schaue ich weiter über den Tellerrand hinaus“, schrieb der ergraute Star im vorigen Juli. Seine Philosophie: Packe Dinge an, aber ohne Angst, denn man hat nichts zu verlieren.

Dieses Selbstvertrauen hat sich die Schauspiellegende hart erkämpft. Für den Sohn einer Bäckerfamilie in Wales war es zunächst ein schwieriger Weg. Hopkins, der sich mit minimaler Mimik eine so starke Leinwandpräsenz verschafft, war lange von Unsicherheit geplagt. In der Schule galt er mit seiner Vorliebe fürs Malen und Klavierspielen als Eigenbrötler.

1961 schaffte er die Aufnahme an die Royal Academy of Dramatic Art in London. Am Theater konnte er sich den Ruf eines vielseitigen Charakterdarstellers erwerben – allein als King Lear stand er zahllose Male auf der Bühne.

Doch er galt auch als schwierig und unberechenbar, häufig legte er sich mit seinen Regisseuren an. Zwei zerbrochene Ehen, Flucht in den Alkohol – in Interviews sprach er offen über zurückliegende Lebensdramen. Im Dezember 2020 feierte er in einem Instagram-Video seine langjährige Alkoholabstinenz. „Heute vor 45 Jahren hatte ich einen Weckruf. Ich bewegte mich auf eine Katastrophe zu, war dabei, mich in den Tod zu trinken“, sagte Hopkins. Seine Follower bestärkte er: „Seid mutig und mächtige Kräfte werden euch beistehen.“

Hopkins holte mit der Grusel-Rolle als Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“ 1992 den Oscar als bester Hauptdarsteller.
Hopkins holte mit der Grusel-Rolle als Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“ 1992 den Oscar als bester Hauptdarsteller. imago images/Mary Evans

Hopkins, der seit den 1970er-Jahren zwischen seiner Heimat und Kalifornien hin- und herpendelt, hat in seiner langen Karriere über hundert Film- und Fernsehauftritte absolviert. Eine Killer-Rolle machte ihn weltberühmt.

Gerade einmal 16 Minuten ist er in dem Psychothriller „Das Schweigen der Lämmer“ von Regisseur Jonathan Demme auf der Leinwand zu sehen, doch das reichte. Das Duell zwischen dem psychopathischen Hannibal Lecter und der standfesten FBI-Agentin Clarice Starling (Jodie Foster) schrieb Filmgeschichte. Hopkins holte mit der Grusel-Rolle 1992 den Oscar als bester Hauptdarsteller.

Die Bandbreite des Briten ist enorm: Für ihn selbst gehörte die Rolle des pflichtbewussten Butlers in dem Filmdrama „Was vom Tage übrig blieb“ (1993) zu seinen wichtigsten. Oliver Stone holte ihn 1995 als US-Präsident Richard Nixon vor die Kamera. Mit grauem Rauschebart verwandelte sich Hopkins in „Thor“ (2011) in den einäugigen Göttervater Odin. In „Hitchcock“ (2012) nahm er die Gestalt seines legendären Landsmannes Alfred Hitchcock an. Die Ähnlichkeit mit Halbglatze, Doppelkinn und Extrapfunden, so wie Hitchcock um 1960 aussah, als sein Horror-Schocker „Psycho“ den Kinogängern Gänsehaut einjagte, war verblüffend.

In der Netflix-Produktion „Die zwei Päpste“ (2019) treffen Hopkins als Papst Benedikt XVI. und Jonathan Pryce als der spätere Papst Franziskus aufeinander. Ein Jahr später brillierte Hopkins in dem Drama „The Father“ als stolzer, störrischer Mann, der zusehends seiner Demenz verfällt. Dabei stemmt er sich gegen die Hilfe seiner Tochter (Olivia Colman).

Anthony Hopkins (r.) als Grandpa Aaron Rabinowitz und Michael Banks Repeta als Paul in „Zeiten des Umbruchs“
Anthony Hopkins (r.) als Grandpa Aaron Rabinowitz und Michael Banks Repeta als Paul in „Zeiten des Umbruchs“ Focus Features/Universal/dpa/Anne Joyce

Mit diesem sensiblen Porträt unter der Regie von Florian Zeller gewann Hopkins im April 2021 seinen zweiten Oscar als bester Hauptdarsteller. Der Gala, mitten in der Pandemie, blieb er fern. Er bedankte sich mit einer Grußbotschaft auf Instagram: „Guten Morgen. Ich bin hier in meiner Heimat Wales. Mit 83 Jahren habe ich diesen Preis nicht erwartet, wirklich nicht“, sagte Hopkins in der Videoansprache.

Hopkins stellte damit einen Oscar-Rekord auf. Er hat nun den Titel als ältester Schauspieler inne, der je einen Oscar gewann. Er übertrifft altersmäßig den Kanadier Christopher Plummer, der 2012 mit 82 Jahren den Oscar für die beste Nebenrolle in dem Drama „Beginners“ holte.

Doch der Brite, seit 2003 in dritter Ehe mit der gebürtigen Kolumbianerin Stella Arroyave verheiratet, denkt offenbar nicht ans Karriereende. Mit den Dramen „Armageddon Time“ und „The Son“ war er in diesem Jahr gleich in zwei Filmen in Nebenrollen zu sehen.

„Ich bin einfach dankbar, dass ich lebe und dass sie mir immer noch Jobs geben“, sagte Hopkins im November im Interview mit dem britischen Guardian. „Das hält mich von Ärger fern, nicht wahr?“, witzelte der Star.