Schweinesperma ist ein deutscher Exportschlager. Rechts: Karl-Friedrich Müller, Leiter der Besamungsstation Abstetterhof der Besamungsunion Schwein. Marijan Murat/dpa

Deutschland ist bekannt für sein Bier und seine Bratwurst – aber es gibt noch einen anderen, verdammt heißen Exportschlager, auf den die ganze Welt steht: Schweinesperma! Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Gene der deutschen Schweine sind weltweit für die Zucht gefragt.

Wie Ebersperma gewonnen wird, kann sich jeder anschauen: Auf YouTube präsentiert die Besamungsunion Schwein den Account „Ferkelväter“, gibt dort Einblicke hinter die Kulissen. In sogenannten Absambuchten fangen die Mitarbeiter der Eberstationen das Sperma in speziellen Beuteln auf. 300 Milliliter bis zu einem Liter pro Ejakulat können das sein, wie Raffael Wesoly von der Besamungsunion Schwein erklärt.

Per Rohrpost geht das Sperma ins Labor und wird gewogen

Per Rohrpost geht das Sperma ins Labor und wird gewogen. Unter dem Mikroskop werden die Spermien untersucht, etwa wie sie sich bewegen. Dann wird das Ejakulat verdünnt und maschinell portioniert. Die Verdünnung ist nötig, um das Sperma über Tage haltbar zu machen. „Wenn Sie nichts tun, ist das nach 30 bis 60 Minuten tot“, erklärt Wesoly. Das Geschäft mit Schweinesperma erfolgt auf hohem Niveau, was Technik und Hygiene angeht. Und es wird immer internationaler.

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Von 1,6 Millionen Spermaportionen im vergangenen Jahr sei knapp ein Zehntel exportiert worden. Es gibt mehrere Gründe dafür, dass deutsches Ebersperma immer mehr zum Exportschlager wird. Deutsche Genetik sei wegen ihrer hohen Qualität weltweit gefragt. Während in Ländern wie Nordamerika oder Asien vorrangig biologische und ökonomische Faktoren im Vordergrund stünden wie eine hohe Futtereffizienz zur Ressourcenschonung, legten hierzulande Züchter mehr Wert auf Merkmale wie das Sozialverhalten der Tiere. Gerade aus Osteuropa sei die Nachfrage zudem hoch, weil dort die Afrikanische Schweinepest stark grassiert und den Hausschweinbestand verkleinert habe, sagt Stephan Welp von der Bundes Hybrid Zuchtprogramm (BHZP) GmbH. „Das wird wieder aufgebaut werden.“

Eva Schilling, Regionalleitung Süd der Besamungsunion Schwein, krault im Stall der Besamungsstation Abstetterhof einen Eber. Marijan Murat/dpa

Alle Anbieter betonen auch die hohen Standards bezüglich der Biosicherheit und der genetischen Qualität der Eber. Immer wieder werde an Verbesserungen geforscht. „Was Sperma angeht, ist Made in Germany immer noch ein Werbeargument“, sagt Wesoly. Der Verband schätzt die Zahl der Eber auf Schweinebesamungsstationen in Deutschland auf rund 5000. Nahezu sämtliche Ferkel stammten heutzutage aus künstlicher Besamung, erklärt Sprecher Klemens Schulz.

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Um Inzucht zu verhindern, müssten die Eber alle zwei bis drei Jahre ausgetauscht werden, sagt Wesoly. „Je älter er wird, desto besser wird das Sperma.“ Und abhängig von der Rasse unterscheide sich auch das Ejakulat. So könne es zum Beispiel rein nach der Menge zwar vergleichsweise wenig sein, aber aufgrund vieler Spermien sehr dicht. Um die 40 Portionen ließen sich daraus im Schnitt abfüllen, die dann – je nach Eberart – für 3 bis 20 Euro pro Stück verkauft würden.