Die Botschaft auf dem Gemälde „Der Schrei“ von Edvard Munch wurde nun entschlüsselt. Foto: Børre Høstland/The National Museum/dpa

Es ist eines der berühmtesten Gemälde der Kunstgeschichte, wurde tausendfach kopiert - und jagt jedem Betrachter einen Schauer über den Rücken: „Der Schrei“ von Edvard Munch. Um das Bild rankte sich ein großes Geheimnis, denn Forscher hatten auf der Oberfläche des Bildes eine mysteriöse Kritzelei entdeckt. Nun ist das Rätsel entschlüsselt - und es ist geklärt, was der Satz zu bedeuten hat!

Der kaum sichtbare Schriftzug auf dem Original des Meisterwerkes ist von Edvard Munch selbst auf das Ölgemälde geschrieben worden. Mit Hilfe von Infrarotaufnahmen fand das norwegische Nationalmuseum in Oslo heraus, dass der Satz von Munch stammt. „Es besteht kein Zweifel, dass die Inschrift Munchs eigene ist“, erklärte die Kuratorin Mai Britt Guleng. Die Handschrift an sich und Ereignisse der Entstehungszeit untermauerten diese Feststellung. „Kunstgeheimnis gelöst“, urteilte die „New York Times“ bereits.

Der Maler versteckte die Botschaft im roten Himmel auf dem Gemälde

Das kleine Geheimnis des „Schrei“-Originals findet sich im rötlichen Himmel in der oberen linken Ecke des Gemäldes. „Kan kun være malet af en gal Mand!“, steht dort auf Norwegisch geschrieben. Übersetzt heißt das: „Kann nur von einem Verrückten gemalt worden sein!“ Der für das bloße Auge kaum wahrnehmbare Satz wurde per Bleistift auf die Farbe des Gemäldes geschrieben, nachdem Munch es fertiggestellt hatte. Wie die Anmerkung dorthin kam, darüber wurde seit längerem spekuliert. Eine Theorie lautete, dass ein empörter Zuschauer das Sätzchen einst in den Himmel des „Schrei“-Originals geschrieben hatte. Andere mutmaßten, dass der winzige, 1904 erstmals entdeckte Schriftzug vom Maler selbst stammte.

Per Infrarot analysierten Wissenschaftler das Gemälde. Foto: Annar Bjørgli/The National Museum/dpa

Diese Theorie können die norwegischen Kunstexperten nun bestätigen. Zum einen konnten sie die Handschrift dank der Infrarotaufnahmen mit Notizen und Briefen von Munch abgleichen, zum anderen fußen sie ihre Feststellung auf ein Ereignis 1895, als Munch das Werk erstmals in seiner Heimatstadt Oslo zeigte, die damals noch Kristiania hieß.

Munch landete nach einem Nervenzusammenbruch im Krankenhaus

Ein junger Medizinstudent bemerkte damals bei einer Diskussionsveranstaltung, dass der Maler sicher nicht ganz bei Verstand gewesen sein. Munch verletzte das sehr, wie er nach Angaben des Museums immer wieder in Briefen und Tagebucheinträgen schrieb. Sowohl sein Vater als auch seine Schwester litten unter Depressionen, Munch selbst wurde 1908 nach einem Nervenzusammenbruch ins Krankenhaus eingeliefert. Das Urteil des Studenten soll somit hinter dem mysteriösen Satz auf dem Meisterwerk stecken. 

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Was das Ganze am Ende sollte? Das liegt im Auge des Betrachters. „Die Inschrift kann als ironischer Kommentar gelesen werden, aber zugleich als ein Ausdruck der Verwundbarkeit des Künstlers“, wurde Kuratorin Guleng in einer Museumsmitteilung zitiert. „Dass er auf das fertige Gemälde geschrieben hat, zeigt, dass das Erschaffen für Munch ein kontinuierlicher Prozess gewesen ist.“