Die Saugroboter filmten die betroffenen Nutzer sogar nackt auf der Toilette, Bilder fanden sich später in Internetforen.
Die Saugroboter filmten die betroffenen Nutzer sogar nackt auf der Toilette, Bilder fanden sich später in Internetforen. imago/Westend61 (Symbolbild)

Was für eine fürchterliche Vorstellung: Smarte Haushaltsgeräte belauschen Gespräche und knipsen heimlich Bilder, die in unbefugte Hände geraten können. Datenschutzexperten sind besorgt, dass mit den abgesaugten Daten Missbrauch betrieben werden kann. Ein extremer Fall lässt die Alarmglocken läuten.

In immer mehr Haushalten stehen Haushaltsroboter, die lästige Tätigkeiten dezent und nebenbei erledigen. Vor allem Staubsaug- und Wischroboter erfreuen sich immer größerer Beliebtheit auch bei deutschen Verbrauchern. Was viele jedoch verdrängen: Die verbaute Technik beinhaltet Sicherheitsrisiken, die unkalkulierbare Folgen haben können, wie ein jetzt in Cybersecurity-Kreisen diskutierter Fall veranschaulicht.

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Hersteller verpflichtet sich, „Daten stets vertraulich und sicher“ zu behandeln

Dabei ging es um die Entwicklung des Saugroboters iRobot Roomba J7, der aktuell in Onlineshops ab etwa 500 Euro zu haben ist. Von Nutzern wird das Gerät des weltweiten Haushaltsrobotik-Marktführers sehr positiv bewertet. Bemerkenswert ist dabei, dass sich das Gerät automatisch mit dem Internet verbindet, um Updates und neue Funktionen einzuspielen. Um problemlos durch die Wohnung zu navigieren, sind solche smarten Roboter mit Sensoren, Kameras und Mikrofonen ausgestattet. Auf der Website verpflichtet sich das Unternehmen, „Daten stets vertraulich und sicher“ zu behandeln, um den Komfort für die Kundinnen und Kunden und die Leistung des Geräts zu verbessern.

Im Herbst 2020 waren jedoch Bilder in Onlineforen aufgetaucht, die von solchen Robotern aufgenommen wurden und intime Momente von Personen zeigten, beispielsweise eine junge Frau, die gerade auf der Toilette mit heruntergelassenem Rock sitzt. Laut Technology Review sollen die Bilder dann bei einem Start-up gelandet sein, das die abgesaugten Daten verwendet, um die künstliche Intelligenz der Geräte zu trainieren. Die Fachzeitschrift MIT Technology Review hatte 15 solcher Aufnahmen gepixelt, die in geschlossenen Social-Media-Foren veröffentlicht wurden.

Angeblich waren Betroffene mit den Aufnahmen einverstanden, doch die Behauptung lässt sich nicht überprüfen

Die Firma iRobot, die Berichten zufolge bald vom Internetriesen Amazon für rund 1,6 Milliarden Euro übernommen werden soll, hat inzwischen bestätigt, dass die Bilder von ihren Geräten aufgenommen wurden. Allerdings habe es sich um spezielle Prototypen mit modifizierter Hard- und Software gehandelt, die so niemals in den Handel gekommen seien. Die Geräte seien bei Testkunden und Angestellten zum Einsatz gekommen, die sich mit der Verwendung ihrer Daten ausdrücklich einverstanden erklärt hätten.

Die Geräte seien überdies mit einem Aufkleber versehen gewesen, der auf die Videoaufnahme-Funktion aufmerksam gemacht habe. Testkunden, die für den Einsatz auch honoriert worden seien, sei ausdrücklich empfohlen worden, die Geräte nicht in Räumen einzusetzen, die beispielsweise für Kinder zugänglich seien. Die Darstellung des Herstellers konnte jedoch von MIT Technology Review nicht überprüft werden, da kein Einblick in die Einverständniserklärungen gewährt und der Bitte um Gespräche mit betroffenen Testkunden nicht entsprochen wurde.