Eine Tracing-App könnte die Ausbreitung des Corona-Virus kontrollierbarer machen. Doch es gibt noch viele Probleme zu bewältigen. dpa/Kay Nietfeld

Gesundheitspolitiker versprechen sich von einer Warn-App Unterstützung beim Plan, die geltenden Corona-Einschränkungen zu lockern. Doch gerade die besonders Gefährdeten werden vermutlich nur unterdurchschnittlich profitieren, warnen Experten.

Grund für die gebremste Euphorie ist, dass das technische Konzept von Google und Apple für eine Corona-Warn-App auf vielen Geräten nicht umgesetzt werden kann. Die Funk-Technik „Bluetooth Low Energy“ werde von rund zwei Milliarden Geräten weltweit nicht unterstützt, sagte Neil Shah, vom Marktforschungsunternehmen Counterpoint Research, der „Financial Times“. Auf jedem vierten Smartphone funktioniert demnach die moderne Bluetooth-Variante nicht. Hinzu kommt, dass viele Menschen nur ein einfaches oder gar kein Handy haben. Betroffen wären viele ärmere und ältere Menschen, die kein aktuelles Smartphone haben – und auch zu den am stärksten von Covid-19 bedrohten Bevölkerungsgruppen gehören.

Spahn: Corona-App braucht noch Zeit

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte vergangene Woche angekündigt, dass sich der Start der Corona-Warn-App verzögern wird. „Aus heutiger Sicht sind es eher vier Wochen als zwei Wochen, bis wir tatsächlich dann eine haben, die auch alle Anforderungen voll erfüllt“, sagte der CDU-Politiker.

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber (SPD) sagte, im Kampf gegen eine Ausbreitung des Virus könnten Tracing-Apps einen Beitrag leisten. Damit werde Infizierten geholfen, sich an ihre Aufenthaltsorte zu erinnern, sagte er. Seine Behörde werde darauf achten, dass Daten nur für den eigentlichen Zweck gespeichert und nicht an Dritte weitergegeben würden.

Datenschützer gegen zentrale Datenspeicherung

Eine solche App müsse ohne zentrale Datenspeicherung arbeiten können, betonte Kelber. Zweck sei, Nutzern einen Hinweis zu geben, damit sie bei einem Kontakt mit einem Infizierten die Infektionskette unterbrechen können. Bislang aber habe er „noch nicht die Hand auf einer App“, die er auch prüfen könne.  

Um die Frage, ob die Daten der Corona-App anonymisiert auf einem zentralen Server gespeichert werden können oder dezentral auf den jeweiligen Smartphones, wird seit Tagen diskutiert. Die von den Fraunhofer-Instituten mitgetragene PEPP-PT-Initiative bevorzugt eine zentrale Lösung, weil dadurch leichter die Warn-Hinweise versendet werden können. Die DP-3T-Initiative, die unter anderem von Forschern an der  TU München unterstützt wird, befürwortet dagegen das dezentrale Modell, weil dadurch ein Missbrauch von einem zentral vorgehaltenen Datenbestand prinzipiell ausgeschlossen wird.